37 Millionen für Düsseldorfs alte Brücke
Düsseldorf steckt 36,9 statt 11,6 Millionen Euro in die Theodor-Heuss-Brücke über den Rhein, obwohl ohnehin ein Neubau kommt
Was ist passiert?
Die Theodor-Heuss-Brücke führt in Düsseldorf im Zuge der B7 über den Rhein, mit zwei Fahrspuren je Richtung und getrennten Geh- und Radwegen. Sie wurde 1957 fertiggestellt und ist damit 68 Jahre alt. Der Rat hat bereits beschlossen, sie durch einen Neubau zu ersetzen. Bis der steht, soll die alte Brücke befahrbar bleiben.
Das Geld dafür sollte schon lange vorher reichen. 2016 beschloss der Rat eine Teilsanierung für 11,6 Mio. Euro. 2019 wurde sie zurückgestellt. Stattdessen gilt seitdem eine Gewichtsgrenze von 30 Tonnen, dazu ein Überholverbot für Lkw. Die Stadt verstärkte einzelne Bauteile und flickte Risse. Das habe, so räumt die Vorlage selbst ein, nur Zeit für die Neubauplanung verschafft. Der Verfall sei weiter fortgeschritten als gedacht: Statt der erwarteten 225 Risse an den Querträgern wurden mehr als 500 „saniert“. Ein neues Wiegesystem zeigt zudem, dass die 30-Tonnen-Grenze vielfach missachtet wird. Nun soll die Brücke auf 3,5 Tonnen abgelastet werden.
Jetzt sollen auf den 476 Metern der Strombrücke die Kragarme, die die Geh- und Radwege tragen, komplett durch Stahlplatten ersetzt werden. Hinzu kommt die Erhöhung von rund 2.000 Metern Geländer von 1,00 auf 1,30 Meter. Die Arbeiten sollen von Juni 2026 bis Anfang 2029 dauern, bei nur einer Fahrspur je Richtung und Tempo 30.
Die Kosten betragen 36,892 Mio. Euro und damit gut das Dreifache von 2016 (36,892 : 11,583 = 3,2). Rechnerisch sind das 25,3 Mio. Euro mehr. Je Meter Strombrücke macht das rund 77.500 Euro (36,892 Mio. : 476 m). Als Gründe nennt die Verwaltung gestiegene Baupreise bis 2027, eine genauere Planung und höhere Honorare. Der vorhandene Stahl lasse sich nicht schweißen, deshalb seien rund 25.000 Schrauben nötig. Auch eine Richtlinie von 2018 habe Umplanungen erzwungen. Enthalten sind außerdem 6,9 Mio. Euro für Risiken, etwa Korrosionsschäden unter den alten Platten. Fördergeld gibt es nicht: Die Stadt trägt alles selbst, über Rückstellungen und Kredite. Das Prüfamt vermerkt ein Kosten- und Terminrisiko.
Kritik
Eine Brücke, die ohnehin ersetzt werden soll, wird noch einmal für fast 37 Mio. Euro weitgehend erneuert. Das ist teuer erkaufte Zeit. Jahre mit Flickwerk und zurückgestellter Sanierung haben den Schaden vergrößert, statt ihn zu begrenzen. Die Stadt hätte früher klären müssen, was ein Provisorium bis zum Neubau höchstens kosten darf, und die Gewichtsgrenze von Anfang an wirksam durchsetzen müssen. Bei einer Übergangslösung sind solche Kostensprünge und eine Risikoreserve von fast einem Fünftel der Summe ein Warnsignal.
OVA/002/2026: Theodor-Heuss-Brücke, Sicherungsmaßnahme, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 19. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.