Staatsbilanz

Stadt/Düsseldorf/Fehlplanung

700.000 Euro für einen Fahrradturm ohne Turm

Am Bahnhof Düsseldorf-Bilk gab die Stadt 706.918 Euro für einen Fahrradturm aus, doch die Firma ging pleite und das Fundament wurde abgerissen

Was ist passiert?

Am Bahnhof Düsseldorf-Bilk pendeln täglich viele Menschen zwischen Zug, Straßenbahn und Rad. Auf dem Arcaden-Vorplatz an der Friedrichstraße sollte deshalb ein Fahrradparkturm entstehen, der Stellplätze auf engem Raum bündelt. Der Rat beschloss das Vorhaben im November 2020 und stellte 1.439.638 Euro bereit. Gebaut werden sollte von Mai bis November 2021, also in sechs Monaten.

Tatsächlich entstand im Jahr 2021 nur das Fundament. Dann kam der Turm nicht mehr voran. Anfang Juni 2023 eröffnete das Gericht das Insolvenzverfahren über die ausführende Firma. Nach Darstellung der Verwaltung war damit die Basis für die Fertigstellung entfallen. Im November 2023 wurde das Fundament wieder zurückgebaut, um den Vorplatz in den alten Zustand zu versetzen. Der Turm wurde also nie fertig, und die Fläche sieht heute so aus wie vor dem Projekt.

Trotzdem stehen im Controlling-Bericht zum 30. Juni 2026 Ausgaben von 706.918 Euro. Das ist knapp die Hälfte der bewilligten Summe (706.918 : 1.439.638 = 49,1 Prozent). Im ersten Halbjahr 2026 wurde nichts mehr gebucht. Eine Prognose der Gesamtkosten steht noch aus; sie sei „in Erarbeitung“, heißt es, rund drei Jahre nach der Insolvenz.

Als Ersatz verweist die Verwaltung darauf, dass die CMD an der Burghofstraße bereits zwei doppelstöckige Fahrradabstellanlagen in Betrieb genommen hat. Für das Bahnhofsgebäude selbst laufen Gespräche mit der Deutschen Bahn. Ob und wann dort Fahrräder abgestellt werden können, ist offen. Immerhin ist das nächste Vorhaben dieser Art offenbar schon in Sicht, auch wenn der erste Versuch am Bahnhof Bilk vorerst nichts als einen Betonblock hinterlassen hat, der wieder weggeräumt werden musste.

Kritik

Fast die Hälfte der bewilligten Mittel ist ausgegeben, und am Bahnhof Bilk steht kein einziger zusätzlicher Fahrradstellplatz. Ein Fundament zu bauen, das zwei Jahre später wieder abgerissen wird, ist für die Steuerzahler doppelt teuer. Ein Auftrag dieser Größenordnung muss so abgesichert sein, dass die Pleite eines einzelnen Unternehmens nicht ein ganzes Projekt und einen großen Teil des Geldes verpuffen lässt. Die Stadt sollte das Vorhaben nun zügig abschließen, die Kosten offenlegen und prüfen, was sich von der Insolvenzmasse zurückholen lässt.

OVA/083/2026: Controlling-Bericht über die Baumaßnahmen des Amtes für Verkehrsmanagement, 1. Halbjahr 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 16. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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