707.000 Euro für ein abgerissenes Fundament
In Düsseldorf-Bilk sind für ein Fahrradparkhaus 706.918 Euro ausgegeben, doch es steht nichts, das Fundament wurde wieder abgerissen
Was ist passiert?
Wer in Düsseldorf mit Bahn und Rad unterwegs ist, braucht am Bahnhof Bilk einen sicheren Platz für sein Fahrrad. Genau dafür beschloss der Rat im November 2020 einen Fahrradparkturm auf dem Vorplatz der Arcaden. Für das Vorhaben standen 1.439.638 Euro bereit. Gebaut werden sollte von Mai bis November 2021, also in gerade einmal sechs Monaten.
Tatsächlich wurde 2021 zumindest das Fundament fertig. Dann geriet das Projekt ins Stocken. Anfang Juni 2023 eröffnete das Gericht das Insolvenzverfahren über die ausführende Firma. Laut Stadt war damit die Grundlage für die Fertigstellung der Anlage nicht mehr gegeben. Im November 2023 wurde das Fundament deshalb zurückgebaut, damit der Arcaden-Vorplatz wieder hergestellt werden konnte. Der Turm, der nach einem halben Jahr Bauzeit hätte stehen sollen, wurde nie errichtet.
Die Rechnung steht trotzdem im Controlling-Bericht: Bis zum 31. Dezember 2025 waren 706.918 Euro ausgegeben. Das sind knapp 49 Prozent der bewilligten Summe (706.918 geteilt durch 1.439.638). Eine Prognose der Gesamtkosten gibt es nicht, sie ist laut Bericht „in Erarbeitung“. Mehr als viereinhalb Jahre nach dem geplanten Baubeginn im Mai 2021 ist damit nicht einmal klar, was das Projekt am Ende kosten soll.
Immerhin gibt es Überlegungen, wie es weitergehen könnte. Zusammen mit einem weiteren Partner prüft die Stadt eine doppelstöckige Fahrradabstellanlage an der Burghofstraße. Mit der Deutschen Bahn wird zudem über eine Lösung am Bahnhofsgebäude Bilk gesprochen. Ob und wann dort Fahrräder stehen werden, ist offen.
Kritik
Ein Fundament, das zwei Jahre nach dem Bau wieder abgetragen werden muss, ist keine Investition in Fahrradinfrastruktur, sondern ein Verlustgeschäft. Dass bei einem Projekt mit nur sechs Monaten Bauzeit gut vier Jahre später weder ein Turm steht noch eine Kostenprognose vorliegt, zeigt, wie wenig Druck auf der Steuerung lag. Die Stadt hätte bei einem Auftrag, der an einer einzigen Firma hängt, das Insolvenzrisiko einkalkulieren und Zahlungen eng an den tatsächlichen Baufortschritt knüpfen müssen. Wer am Bahnhof Bilk Fahrräder abstellen will, hat von den fast 707.000 Euro bis heute nichts.
OVA/014/2026: Controlling-Bericht über die Baumaßnahmen des Amtes für Verkehrsmanagement - 2. Halbjahr 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 26. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.