Staatsbilanz

Stadt/Düsseldorf/Kostensteigerung

75.000 Euro für Folien an Schulfenstern

Eine Düsseldorfer Grundschule sollte 2019 für 30.000 Euro Rollos gegen Hitze bekommen, jetzt sollen Folien auf den Fenstern 75.000 Euro kosten

Was ist passiert?

Die Paul-Klee-Grundschule an der Gerresheimer Straße gehört zum Düsseldorfer Stadtbezirk 1. In den Klassenräumen wird es im Sommer offenbar zu heiß. Deshalb stellte die Bezirksvertretung 1 am 22. November 2019 30.000 Euro bereit, um innenliegende Rollos als Wärmeschutz anzubringen.

Dazu kam es nicht. Mehr als sechs Jahre später liegt der Bezirksvertretung nun eine Vorlage vor, nach der ein Ingenieurbüro die Sache untersucht hat. Das Ergebnis: Innenliegende Rollos brächten keine nennenswerten Vorteile beim Wärmeschutz. Stattdessen sollen Hitzeschutzfolien auf die Fenster. Die Verwaltung beziffert die Kosten auf 75.000 Euro, also das Zweieinhalbfache des damaligen Betrags (75.000 : 30.000 = 2,5). Zur Begründung verweist sie auf die vielen unterschiedlichen, teils gekrümmten und kleinteiligen Fensterformate. Zuschnitt und Anbringung seien aufwendig. Das mag stimmen, nur hätte man es bei einer Prüfung vor dem Beschluss auch schon wissen können.

Die Vorlage zeigt zugleich, wie knapp das Geld ist. Vom Schulbudget des Bezirks blieben nach bereits beschlossenen Maßnahmen noch 246.423,57 Euro übrig. Davon sollen 45.000 Euro in die Folien fließen, 20.000 Euro in Malerarbeiten an einer Grundschule und 55.000 Euro in die Renovierung eines historischen Treppenhauses am Görres-Gymnasium. Die verbleibenden 126.423,57 Euro sollen als „Anschubfinanzierung“ an die St.-Benedikt-Schule gehen. Dort sollen Decken getauscht und die Beleuchtung auf LED umgestellt werden. Der gesamte Schulstandort soll grob 430.000 Euro kosten. Zentrale Mittel stehen laut Vorlage wegen der Haushaltslage nicht zur Verfügung. Bleiben rund 303.600 Euro, die noch niemand bereitgestellt hat (430.000 − 126.423,57). Zusätzlich soll die Bezirksvertretung auch Mittel einsetzen, die bis Ende 2026 aus Revisionen zurückfließen. Am Ende wäre das Restbudget des Bezirks bei vorlagengemäßem Beschluss exakt null. Die Beschlüsse stehen unter dem Vorbehalt, dass die vorläufige Haushaltsführung endet. Stand der Vorlage ist der 22. Juni 2026, die Entscheidung war für den 26. Juni angesetzt.

Kritik

Ein Beschluss über 30.000 Euro lag mehr als sechs Jahre herum, bis jemand die Wirksamkeit der Maßnahme prüfen ließ, und nun kostet die Lösung das Zweieinhalbfache. Die Wirkung eines Hitzeschutzes hätte vor dem Beschluss geklärt werden müssen, nicht danach. Dass der Bezirk sein gesamtes Restbudget einsetzt, um ein Projekt anzuschieben, dessen übrige gut 300.000 Euro nicht gedeckt sind, ist riskant. Zuerst sollte feststehen, wie das Vorhaben fertig finanziert wird. Sonst droht eine Baustelle, die nur zu einem Teil bezahlt ist.

BV1/109/2026/1: Unterhaltung von Grundstücken und baulichen Anlagen im Stadtbezirk 1 - Haushalt 2026 Liste A Schulen 2121101/52415100, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 22. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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