Staatsbilanz

Stadt/Düsseldorf/Imagepflege

92.000 Euro für eine Fotomesse in Paris

Düsseldorf gibt von 95.843 Euro Fotoförderung 92.000 Euro für fünf Messetage in Paris aus, für Projekte in der Stadt bleiben 3.100 Euro

Was ist passiert?

Düsseldorf versteht sich als Fotostadt. Seit 1976 gibt es an der Kunstakademie die erste Klasse für künstlerische Fotografie in Deutschland, ein Deutsches Fotoinstitut ist in Gründung. Damit die Stadt dieses Profil pflegt, berät sie seit 2024 eine eigene Kommission, die Projekte zur Förderung empfiehlt. Für 2026 stehen ihr 95.843,60 Euro zur Verfügung, ab 2027 sollen es jährlich 80.000 Euro sein.

Im April 2026 empfahl die Kommission drei Vorhaben mit zusammen 95.100 Euro. Zwei davon sind überschaubar: 600 Euro für eine Ausstellung des Deutschen Fotobuchpreises in der Kunsthalle und 2.500 Euro für ein Schulprojekt zur Bildlesekompetenz. Die übrigen 92.000 Euro sollen nach Paris fließen, für die erneute Teilnahme an der Messe Paris Photo vom 11. bis 15. November 2026 im Grand Palais. Das sind 96,7 Prozent der empfohlenen Summe (92.000 : 95.100). Auf jeden der fünf Messetage entfallen rechnerisch 18.400 Euro (92.000 : 5). Antragsteller ist das Kulturamt, das zugleich in der Kommission sitzt.

Die Begründung klingt nach Weltbühne. 2025 sei erstmals eine Stadt als eigenständiger kuratorischer Akteur auf der Messe aufgetreten, das Format sei von rund 75.000 Besuchern aufmerksam verfolgt worden. Für 2026 habe dies Mehrwerte erzeugt: eine Ausstellung von Klassen der Kunstakademie im Goethe-Institut Paris und eine Solopräsentation des Düsseldorfer Künstlers Thomas Ruff im Grand Palais. Hinzu kommen der Ausbau internationaler Netzwerke und der 200. Geburtstag der Fotografie als Anlass. Was die Bürger für ihre 92.000 Euro konkret bekommen, bleibt dabei im Ungefähren.

Die Größenordnung zeigt ein Blick auf die Nachbarn: Die beiden anderen Projekte zusammen erhalten 3.100 Euro (600 + 2.500), die Messe damit knapp das 30-Fache (92.000 : 3.100). Vom Jahresetat blieben nach der Empfehlung noch 743,60 Euro übrig (95.843,60 minus 95.100). Und schon die Messe allein liegt 12.000 Euro über dem Betrag, der ab 2027 jährlich bereitstehen soll (92.000 minus 80.000).

Kritik

Ein einziger fünftägiger Messeauftritt verschlingt fast den gesamten Jahresetat einer Kommission, die eigentlich die Fotostadt in der Breite fördern soll. Für Ausstellungen, Schulprojekte und die heimische Szene bleibt kaum etwas übrig. Wer Düsseldorf als Fotostadt profilieren will, sollte einen Teil des Geldes in Vorhaben stecken, die dauerhaft vor Ort wirken, und für Messeauftritte einen festen Höchstanteil am Etat setzen. Eine Ausgabe, die den Jahresrahmen nahezu ausreizt und den künftigen sogar übersteigt, braucht mehr als die Aussicht auf Netzwerke und Aufmerksamkeit.

KUA/094/2026: Kommission Fotostadt Düsseldorf, Sitzung vom 29.04.2026: Für die Förderung empfohlene Projekte, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 30. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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