Staatsbilanz

Stadt/Düsseldorf/Folgekosten

Düsseldorfer Stadthalle: 4,8 Mio. gestrichen

Düsseldorf kürzt für die Stadthalle 11,7 auf 6,9 Mio. Euro, doch die über 30 Jahre alten Stühle halten nur noch mit Kabelbindern

Was ist passiert?

Die Stadthalle wurde 1994 auf dem Messegelände zwischen Messehalle 3 und Congress Center errichtet. Die Stadt ist Eigentümerin, die Düsseldorf Congress GmbH betreibt das Haus und ist vertraglich verpflichtet, es in Schuss zu halten. Bezahlt wird aus dem städtischen Haushalt. Für ein Bündel aus Instandhaltungen und Ersatzbeschaffungen, darunter neue Beleuchtung, Bestuhlung, Tonpulte und Netzwerk, sollten ursprünglich 11,7 Mio. Euro freigegeben werden.

Dann kam die Haushaltslage. Die Verwaltung kürzte ihre Vorlage auf 6,9 Mio. Euro, also um 4,8 Mio. Euro (11,708 minus 6,888 Mio.). Übrig bleibe, was für den Veranstaltungsbetrieb „zwingend notwendig“ sei. Die Erneuerung der Bestuhlung (1,59 Mio. Euro) und der Tonpulte (195.000 Euro) entfällt ganz. Die Beleuchtung wird nicht nach Einzelposten, sondern pauschal von 8,66 auf 6,0 Mio. Euro gedrückt. Eine Aufteilung nach Kostengruppen sei kurzfristig nicht möglich, heißt es.

Besonders anschaulich ist die Bestuhlung. Die Stühle im Saal sind laut Vorlage über 30 Jahre alt, die Bauaufsicht hatte bei der letzten Prüfung ihre Befestigung untereinander bemängelt. Damit Bau- und Brandschutzrecht eingehalten werden, werden sie derzeit mit Kabelbindern zusammengehalten. Neu beschafft werden sollten 2.500 Stühle mit Reihenverbindern und 1.000 Tische.

Auch bei der Beleuchtung ist die Dringlichkeit dokumentiert. Die Leuchtmittel werden nicht mehr hergestellt, die Lagerbestände reichen voraussichtlich weniger als zwei Jahre. Zugleich stiegen die Planungskosten für diese Maßnahme von 380.000 auf 1,098 Mio. Euro, fast das Dreifache. Blieben sie bei der Kürzung erhalten, stünden für die eigentliche Ausführung nur noch rund 4,9 Mio. Euro bereit (6,0 minus 1,098 Mio.), nach 7,56 Mio. Euro in der Berechnung.

Die Verwaltung hält alle gestrichenen Maßnahmen weiter für erforderlich. Sie könnten aber „um wenige Jahre“ verschoben werden. Der Rat sollte am 16. Juli 2026 entscheiden.

Kritik

Wer 4,8 Mio. Euro pauschal streicht, spart nicht, sondern schiebt Pflichtausgaben auf, die später mit Baupreissteigerung nachgeholt werden müssen. Eine Bestuhlung, die nur mit Kabelbindern den Brandschutz einhält, gehört zuerst saniert und nicht zuletzt. Auch bei der Beleuchtung ist der Zeitdruck durch auslaufende Leuchtmittel bekannt, während die Planungskosten fast verdreifacht wurden. Sinnvoller wäre es gewesen, Maßnahmen nach Dringlichkeit zu ordnen und einzelne vollständig umzusetzen, statt alle ein Stück weit zu kürzen.

BAU/011/2026/1: Rotterdamer Straße 141, Stadthalle: Instandhaltungsmaßnahmen und Ersatzbeschaffungen - Ausführungs und Finanzierungsbeschluss -, Ratsinformationssystem der Stadt Düsseldorf, 9. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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