Erfurter Kita-Stellen für leere Plätze
Erfurt soll Kita-Personal trotz rund 1.600 Plätzen weniger sichern, schon für 274 Kinder weniger fallen etwa 4,1 Mio. Euro an.
Was ist passiert?
Erfurt, die Landeshauptstadt Thüringens, hat 107 Kindertageseinrichtungen und etwa 50 Kindertagespflegepersonen. Die Zahl der Kinder sinkt dort in den kommenden Jahren spürbar, die Stadt rechnet mit rund 1.600 Betreuungsplätzen weniger.
Die Fraktion SPD & Piraten wollte darauf mit einem „Kitapersonal-Moratorium“ antworten. Bis Ende 2027 sollte der Stand der pädagogischen Stellen vom 31. März 2025 gesichert werden, unabhängig davon, wie viele Kinder tatsächlich betreut werden. Die Antragsteller nennen das eine Investition: Kleinere Gruppen, mehr Förderung und kein Fachkräfteverlust, der später wieder teuer aufgeholt werden müsste. Der Stadtrat sollte am 17. Dezember 2025 entscheiden. Wie er entschied, geht aus den Unterlagen nicht hervor.
Eine Kostenangabe fehlte in der Vorlage. Das Jugendamt lieferte sie nach. Ein Kindergartenplatz kostet im Betrieb im Jahr 2025 durchschnittlich rund 15.000 Euro. Bis Juli 2026 sinkt die Zahl der betreuten Kinder gegenüber dem Vorjahr um 274. Das ergibt etwa 4,1 Mio. Euro (274 mal 15.000 Euro). Weil für diese Kinder weder Elternbeiträge noch Landeszuschüsse fließen, müsste die Stadt den Betrag allein tragen. Das ist nur ein Teil der Entwicklung. Würde man dieselbe Rechnung auf alle 1.600 Plätze anwenden, kämen rechnerisch 24 Mio. Euro heraus (1.600 mal 15.000 Euro). Diese Zahl hat die Verwaltung nicht genannt.
Zudem würden ausgerechnet gut nachgefragte, fast volle Kitas nicht besser gestellt als halb leere. Die Tagespflege mit etwa 190 Kindern bliebe außen vor. Im Haushalt 2026/2027 ist für das Moratorium kein Geld vorgesehen. Das Jugendamt hält den Antrag für rechtswidrig und unwirtschaftlich und lehnt es ab, die Mittel an anderer Stelle zu kürzen. Die Stadt soll nun das Land bitten, sich an den Mehrkosten zu beteiligen.
Kritik
Stellen zu bezahlen, für die keine Kinder mehr da sind, ist keine Qualitätsmaßnahme, sondern eine Dauerausgabe ohne Gegenwert. Wenn kleinere Gruppen und mehr Förderzeit das Ziel sind, müsste man genau dafür Kriterien festlegen und nur das finanzieren, was nachweislich ankommt. Sinnvoller wäre es, den sinkenden Bedarf über die ohnehin laufende mittelfristige Bedarfsplanung zu steuern, statt einen Stichtag festzuschreiben, der gut ausgelastete Kitas benachteiligt. Wer eine Millionenlast ohne Deckung und ohne Zusage des Landes beschließt, schiebt die Rechnung an die Stadtkasse und letztlich an die Steuerzahler weiter.
2840/25: Kita-Moratorium Erfurt: Fachkräfte sichern, Strukturen bedarfsgerecht entwickeln, Qualität frühkindlicher Bildung erhalten, Ratsinformationssystem der Stadt Erfurt, 15. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.