Staatsbilanz

Stadt/Essen/Folgekosten

225.000 Euro für ein Wort auf fremdem Dach

Essen zahlt am Hauptbahnhof 225.000 Euro für eine Leuchtschrift „ESSEN“ auf fremdem Dach, spart aber bis 2039 nur 130.000 Euro

Was ist passiert?

Seit den 1950er-Jahren trägt der denkmalgeschützte Handelshof am Essener Hauptbahnhof eine Lichtwerbeanlage auf dem Dach, die als Wahrzeichen der Innenstadt gilt. Die Anlage gehört der Stadt, das Dach nicht. Das Gebäude wurde 2009 verkauft und gehört heute einer privaten Eigentümerin, bei der die Stadt die Dachfläche mietet.

Lange stand unter dem Stadtnamen der Zusatz „DIE EINKAUFSSTADT“. Weil die Neonanlage unzuverlässig lief, begann 2021 die Suche nach einer Modernisierung. Dann kam das Folkwang-Jubiläumsjahr, und der Zusatz wurde 2022 zeitweise zu „DIE FOLKWANGSTADT“. Ein neuer Slogan sollte per Bürgerbeteiligung gefunden werden, doch das Verfahren brachte laut Vorlage kein eindeutiges Ergebnis. Im November 2023 beschloss der Rat, den Zusatz abzubauen. Erst im Dezember 2024 war er unten, weil Arbeiten der Eigentümerin und Sicherheitsfragen dazwischenkamen.

Nun bleibt von der Schrift ein einziges Wort übrig. Die Eigentümerin stimmte nur der Variante zu, bei der „ESSEN“ mit den beiden Wappen auf LED umgerüstet wird. Dazu soll ein Wartungssteg aus rund 52,5 Metern Aluminium-Laufrost und einem etwa 28 Meter langen Wartungsweg auf dem Ziegeldach kommen. Die Kosten für Planung und Bau liegen bei 225.000 Euro brutto und damit knapp unter der Wertgrenze von 250.000 Euro, bis zu der die Stadt das Vorhaben als Kleinmaßnahme aus einem Sammeltopf bezahlen kann.

Die Verwaltung rechnet mit 10.000 Euro weniger Wartungs- und Instandsetzungskosten pro Jahr und rund 75 Prozent weniger Energieverbrauch. Bis Ende 2039 sind das bei 13 Jahren Restlaufzeit 130.000 Euro, also rund 95.000 Euro weniger, als die Stadt jetzt ausgibt (225.000 minus 130.000). Weil die Investition so hoch ist, soll sich die Stadt zudem zwei Verlängerungsoptionen von je fünf Jahren sichern. Die Miete läge dann bei 35.459,16 Euro im Jahr, für zehn Jahre also rund 354.600 Euro.

Offizielle Begründung ist eine Betriebspflicht der Stadt bis 2039, die mit der alten Technik nicht zu erfüllen sei. Die Maßnahme sei daher „sachlich sowie zeitlich unabweisbar“. Der Rat sollte am 8. Juli 2026 entscheiden, und zwar unter dem Vorbehalt, dass die Eigentümerin zustimmt.

Kritik

Die Stadt zahlt Umbau und Steg auf einem Dach, das ihr nicht gehört, und die erwartete Ersparnis deckt bis 2039 nur etwa 130.000 der 225.000 Euro. Dass sie sich für die Investition auch noch zehn weitere Jahre Miete aufbürden lässt, macht das Wahrzeichen zu einem teuren Dauerposten. Die Eigentümerin, deren Gebäude durch Steg und neue Technik aufgewertet wird, hätte an den Kosten beteiligt werden müssen. Nach Jahren des Hin und Her um Slogans sollte die Stadt außerdem prüfen, ob ein Schriftzug mit einem einzigen Wort diesen Aufwand wirklich wert ist.

0592/2026/7: Lichtwerbeanlage auf dem Handelshof - zukünftige Gestaltung und Modernisierung, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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