Staatsbilanz

Stadt/Essen/Finanzrisiko

Kinderkurse für 1 Euro und 310.000 Euro obendrauf

Essen verkauft seine Kurse für Kinder an eine Tochterfirma und zahlt bis zu 310.000 Euro dazu, zehnmal so viel wie die Schulden von 31.000 Euro

Was ist passiert?

Die Junior Uni Essen bietet Kindern und Jugendlichen außerschulische Kurse an, vor allem in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die gemeinnützige GmbH wurde 2021 gegründet und gehört je zur Hälfte der Stadt und der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die ihrerseits zur Hälfte städtisch ist. Am Zuspruch fehlt es nicht: Seit 2021 gab es rund 700 Kurse mit mehr als 7.500 Teilnehmenden, manche Kurse waren binnen Minuten ausgebucht.

Das Geld ist das Problem. Die Stadt zahlt jährlich 198.000 Euro, dazu kamen 2024 und 2025 zusammen rund 400.000 Euro aus Spenden und Sponsoring. Auf diese Einnahmen war wenig Verlass. Schon beim Abschluss 2024 zweifelte der Wirtschaftsprüfer an der Fortführung, für 2025 weist die Gesellschaft ein Minus von 107.000 Euro aus. Der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag lag Ende 2025 bei 31.000 Euro, einen Prüfvermerk gibt es ohne positive Fortführungsprognose nicht.

Der Rat soll am 14. Oktober 2026 nun beschließen, beide Anteile zusammen für 1 Euro an die vollständig städtische Jugendhilfe Essen gGmbH zu verkaufen und die Junior Uni anschließend dort zu verschmelzen. Der eine Euro gilt als plausibel, weil die Gesellschaft überschuldet ist. Damit die Jugendhilfe keine Altlasten übernimmt, soll die Stadt aber bis zu 310.000 Euro zuschießen: 180.000 Euro für das erwartete Defizit 2026 und 130.000 Euro für ungedeckte Fixkosten 2027. Das ist rund das Zehnfache des Fehlbetrags von Ende 2025 (310.000 : 31.000) und gut anderthalb Jahreszuwendungen (310.000 : 198.000 ≈ 1,6). Bezahlt wird durch eine Kürzung der Zuwendung an die Messe Essen GmbH. Außerdem schreiben Stadt und Wirtschaftsförderung ihre Beteiligungen von je 12.500 Euro ab.

Die laufende Zuwendung von 198.000 Euro soll künftig an die Jugendhilfe fließen. Angestrebt sind ab 2030 nur noch 150.000 Euro, also 48.000 Euro weniger im Jahr, verbindlich ist das nicht. Die Verwaltung nennt als Gewinn Synergien bei Verwaltung, Personal und Rechnungswesen, außerdem soll der eigene Standort aufgegeben werden.

Kritik

Eine Einrichtung, die 2021 mit städtischem Geld gegründet wurde, muss nach fünf Jahren mit einem Zuschuss gerettet werden, der höher ausfällt als anderthalb Jahre Regelförderung. Das Geschäftsmodell, den Betrieb über schwankende Spenden zu finanzieren, hätte früher durch eine verlässliche Grundfinanzierung ersetzt werden müssen. Die Einsparung auf 150.000 Euro bis 2030 ist ein Wunsch und keine Vereinbarung, und bis dahin zahlt die Stadt weiter nahezu den vollen Betrag. Wer 310.000 Euro mitgibt, sollte das Sparziel verbindlich festschreiben und den Zuschuss nach den tatsächlichen Spendeneingängen im Dezember 2026 bemessen.

1615/2026/2: Junior Uni Essen gGmbH hier: Verkauf der Anteile an die Jugendhilfe Essen gGmbH mit anschließender Verschmelzung, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 14. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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