25.000 Euro für beschmierte Mauer in Essen
In Essen soll die wieder beschmierte Zechenmauer an der Kraspothstraße bis zu 25.000 Euro kosten, 2023 waren es noch 10.000 Euro
Was ist passiert?
Die Bezirksvertretung VI Zollverein in Essen verfügt jedes Jahr über ein eigenes Budget für Anliegen im Stadtbezirk. 2026 sind es 400.000 Euro, aus denen sie unter anderem Straßenfeste von Werbegemeinschaften bezuschusst. Zu den Projekten der vergangenen Jahre gehört ein Kunstwerk auf der Zechenmauer an der Kraspothstraße.
Im März 2023 bewilligte die Bezirksvertretung 10.000 Euro für Sanierung und Weiterentwicklung dieses Kunstwerks. Im Mai 2024 wurde die Wiederherstellung offiziell gefeiert. Lange hielt die Freude nicht: Die Mauer wurde erneut mit Graffiti beschmiert, „leider“, wie die Verwaltung in ihrer Vorlage schreibt.
Nun will das Amt für Stadtplanung und -entwicklung die Mauer „letztmalig“ instand setzen lassen. Eingeholt wurde ein einziges Angebot, und zwar vom Malerbetrieb, der schon die erste Sanierung ausgeführt hat. Als Grund nennt die Verwaltung, der Betrieb kenne das Kunstwerk und die verwendeten Farben. Das Angebot geht über das bloße Entfernen der Graffiti hinaus und umfasst eine weitgehende Instandsetzung der Mauer. Es liegt bei rund 22.200 Euro, ist zeitlich befristet und wird wegen der „schwankenden Preispolitik“ voraussichtlich noch steigen. Das Amt rechnet mit bis zu 25.000 Euro.
Das ist das 2,5-Fache der Summe von 2023 (25.000 : 10.000 Euro). Von der Bezirksvertretung erbittet das Amt 3.000 bis 5.000 Euro, also 12 bis 20 Prozent der erwarteten Kosten. Wer den Rest zahlt, steht nicht in der Vorlage. Im Budget der Bezirksvertretung sind noch 26.500 Euro frei, zugleich liegen zwei Anträge auf Festzuschüsse über 3.000 und 2.800 Euro vor.
Zwischen der Feier im Mai 2024 und der Vorlage vom Mai 2026 liegen knapp zwei Jahre. Länger als das hat die erste Sanierung also höchstens vorgehalten. Welchen Beschluss die Bezirksvertretung fasste, ist unbekannt; der Beschlussvorschlag war in der Vorlage nicht ausgefüllt.
Kritik
Eine Mauer, die schon einmal für 10.000 Euro saniert wurde und knapp zwei Jahre später wieder beschmiert war, wird durch eine noch teurere Instandsetzung nicht sicherer. Dass nur ein einziger Betrieb ein Angebot abgab, hilft dem Preis nicht, der laut Verwaltung ohnehin noch steigen soll. Vor einer weiteren Bewilligung hätte es Vergleichsangebote gebraucht und ein Konzept, das verhindert, dass das Kunstwerk bald wieder überschmiert wird. Ohne beides ist das Wort „letztmalig“ nicht mehr als eine Hoffnung auf Kosten der Steuerzahler.
0624/2026/BV VI: Haushalt 2026 hier: Vergabe von Restmitteln, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 20. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.