6,6 Millionen für eine Bus-Endstation
In Essen-Heisingen soll die Endhaltestelle der Linie 145 am Baldeneysee erst 2029 für 6,6 Millionen Euro barrierefrei werden, sieben Jahre zu spät
Was ist passiert?
Am Baldeneysee im Stadtteil Heisingen endet die Buslinie 145. Die Endhaltestelle hat nur zwei Bussteige und einen Pausenplatz und ist nicht barrierefrei. Weil der Platz fehlt, wendet jeder vierte Bus schon vorher. Nach dem Nahverkehrsplan sollte seit dem Fahrplanwechsel 2019 ein Fünf-Minuten-Takt bis zur Endhaltestelle fahren. Dafür soll eine angrenzende Grünfläche zur Verkehrsfläche werden.
Die Stadt legte 2018 einen ersten Entwurf vor und leitete 2021 dafür ein Bebauungsplanverfahren ein. Die Bürger protestierten: zu viel Rücksicht auf Autos und Stellplätze, mehr Lärm für die Nachbarn. Die Ruhrbahn lieferte daraufhin einen Gegenentwurf, doch der scheiterte an der Topografie. Die Bussteige wären zu steil geworden. Das Gefälle war freilich schon vorher da.
Im Jahr 2024/25 beauftragte die Stadt ein externes Ingenieurbüro, beschlossen wurden Ingenieurleistungen über 309.000 Euro. Das Büro untersuchte 15 Varianten. Die Vorzugsvariante entspricht laut Vorlage der ersten Konzeptidee, nur die neue Straße rückt weiter von den Wohnhäusern ab. Die Kosten schätzt die Stadt auf rund 6,6 Mio. Euro brutto. Bei einem Plangebiet von rund 8.000 Quadratmetern sind das rechnerisch 825 Euro je Quadratmeter (6,6 Mio. : 8.000).
Das Bebauungsplanverfahren soll Ende 2027 bis Anfang 2028 abgeschlossen sein, gebaut werden soll 2029. Die Stadt selbst verweist auf das Personenbeförderungsgesetz, das vollständige Barrierefreiheit an Haltestellen bis 2022 fordert. Zwischen Frist und Baustart lägen sieben Jahre. Der Förderantrag soll noch gestellt werden, die Finanzierung wird erst zur Haushaltsplanaufstellung berücksichtigt. Die Maßnahme sei „zügig umzusetzen“, schreibt die Verwaltung.
Kritik
Eine Haltestelle für ein paar Bussteige braucht keine elf Jahre von der ersten Skizze bis zum Bau. Ein Entwurf, der an den Bürgern vorbeiging, und ein Gegenentwurf, der am Gefälle scheiterte, haben Jahre gekostet. Am Ende kehrte die Planung zur ersten Idee zurück, nur etwas weiter von den Häusern entfernt. Hätte man Bürger und Geländeneigung von Anfang an berücksichtigt, wäre die gesetzlich geforderte Barrierefreiheit nicht um Jahre verfehlt worden.
0170/2026/6: Buswendeanlage Heisingen (Lanfermannfähre / Stemmering) Stadtbezirk: VIII, Stadtteil: Heisingen, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 11. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.