75.000 Euro für zwei Tage Tagung in Bochum
Essen zahlt 75.000 Euro für eine Tagung in Bochum und verschenkt zugleich seinen Anteil an der Start-up-Plattform Ruhr:HUB
Was ist passiert?
Mit der Ruhr:HUB GmbH wollten mehrere Städte und Wirtschaftsförderungen im Ruhrgebiet 2016 eine gemeinsame Plattform für digitale Start-ups schaffen. Essen ist über die städtische EWG von Anfang an dabei und hält heute 18,686 Prozent. Die Hälfte der Kosten trug bis September 2025 das Land NRW, den Rest die Gesellschafter. Dann fiel die Landesförderung weg.
Der Rat hatte im Juli 2025 trotzdem beschlossen, die Gesellschaft bis Ende 2027 weiterzuführen, mit 135.000 Euro jährlich aus Essen. Nun gilt das als überholt. Die GmbH soll auf eine Bochumer Tochter verschmolzen werden, und dafür müssen alle Anteile unentgeltlich an die Bochumer Gesellschafterin gehen. Der Nennwert des Essener Anteils beträgt 6.804 Euro. Ein Wirtschaftsprüfer kam überschlägig auf einen Substanzwert von minus 2.200 Euro, steuerlich auf 11.300 Euro, wohlgemerkt ausdrücklich ohne Unternehmensbewertung. Die Verwaltung räumt selbst ein, eine Übertragung zum Nennwert wäre angebracht gewesen, hätte aber das Verfahren gefährdet.
Zugleich bleibt Essen zahlungspflichtig. Für den ruhrSUMMIT am 1. und 2. Juli 2026 in der Bochumer Jahrhunderthalle überweist die EWG 75.000 Euro, bei Fehlbeträgen bis zu 15.000 Euro mehr. Das sind 37.500 Euro je Veranstaltungstag und gut das Elffache des verschenkten Nennwerts (75.000 : 6.804). Dafür gibt es zehn Tickets, zwei Plätze beim Speaker-Dinner und einen Platz auf einem Gemeinschaftsstand von 27 Quadratmetern, den sich sieben Partner teilen. Die Bochumer Gesellschafterin ist von der Zahlung befreit.
Hinzu kommt das Haftungsrisiko. Die übernehmende Bochumer Tochter haftet für alle, auch ungewisse Verbindlichkeiten. Die Gesellschafter stellen sie nach Anteilen von Steuern und Fördermittelrückforderungen frei, aber erst für Beträge über 85.000 Euro. Ursprünglich war eine Ausgleichspflicht ohne Schwelle vorgesehen. Der Jahresfehlbetrag 2025 lag vor Prüfung bei 898.262 Euro, das Eigenkapital danach nur noch bei 136.619 Euro. Die Verwaltung nennt das Ganze dennoch ein geordnetes Ende mit niedrigem Risiko.
Kritik
Essen verschenkt einen Anteil, der nach dem Nennwert 6.804 Euro wert ist, und zahlt gleichzeitig ein Vielfaches davon für zwei Veranstaltungstage. Bochum, das den Gewinn an Anteilen und Marke einstreicht, zahlt dafür nichts. Die Stadt hätte auf einem Entgelt zum Nennwert bestehen oder die Haftung ab dem ersten Euro sauber begrenzen müssen, statt ein offenes Risiko oberhalb von 85.000 Euro zu übernehmen. Wer eine gescheiterte Beteiligung beendet, sollte dafür nicht noch draufzahlen.
0656/2026/2: Ruhr:HUB GmbH hier: Übertragung der Gesellschaftsanteile der EWG - Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH an der Ruhr:HUB GmbH auf den Gesellschafter WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft Bochum mbH, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 27. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.