Essen: 900.000 Euro für ein unbekanntes Haus
Essen verdreifacht das Planungsgeld für ein Haus für Polizei und Ordnungsamt von 300.000 auf 900.000 Euro, ohne zu wissen, was der Bau kostet
Was ist passiert?
In der Innenstadt, an der Varnhorststraße, will die Stadt einen Verwaltungscampus bauen. Er soll die Polizeiinspektion 1 aufnehmen, dazu Teile des Ordnungsamts und den Katastrophenschutz, damit die Behörden der öffentlichen Sicherheit räumlich zusammenrücken. Das Vorhaben ersetzt das BürgerRatHaus, das der Rat im November 2022 einstimmig aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hatte.
Für die Neuplanung ließ die Stadt zunächst drei Architekturbüros in einer Entwurfswerkstatt gegeneinander antreten. Kosten: 300.000 Euro. Im Februar 2026 setzte sich Peter Bastian Architekten durch. Die Jury lobte den Entwurf ausdrücklich, verlangte aber Nachbesserungen. So bewertete sie die Tiefgarage als unwirtschaftlich, forderte eine zweite Notausfahrt und eine Umplanung der Treppenanlage am Eingang.
Nun soll der Rat laut Vorlage vom April 2026 weitere 600.000 Euro überplanmäßig bereitstellen. Das Planungsbudget wüchse damit auf 900.000 Euro, das Dreifache des ersten Ansatzes. Der kalkulierte Bedarf liegt bei 700.000 Euro, rund 100.000 Euro Restmittel aus der Werkstatt werden angerechnet. Bemerkenswert ist die Verteilung: Nur 257.000 Euro sind als Honorar für die eigentliche Planung vorgesehen, das sind knapp 37 Prozent (257.000 : 700.000). Die übrigen 443.000 Euro entfallen auf Vorbereitungsphase, Rechtsberatung, Marktabfrage, Projektleitung der städtischen Gesellschaft IME und Sonstiges.
Die Stadt begründet die Ausgabe damit, dass nur so ein Mietzins für die Polizei berechnet und ein Mietvertrag mit dem Land NRW verhandelt werden könne. Der Vertrag ist allerdings erst „in Aussicht gestellt“. Eine Baukostenprognose enthält die Vorlage nicht, in der Werkstatt war sie nach Angaben der Stadt weder abgefragt noch möglich. Gebaut werden soll später durch einen Totalunternehmer, dessen Vergabe die Stadt für das erste Quartal 2027 anstrebt.
Kritik
Die Stadt verdreifacht ihr Planungsbudget, ohne dass die Größenordnung des Bauvorhabens oder die Mieteinnahmen der Polizei bekannt wären. Dass nur gut ein Drittel des Geldes als Planerhonorar fließt und der Rest in Vorbereitung, Beratung und Projektsteuerung, wirft Fragen nach dem Nutzen auf. Sinnvoll wäre es gewesen, den Mietvertrag mit dem Land vorab verbindlich zu klären und die Mittel schrittweise freizugeben. Nach dem abgebrochenen BürgerRatHaus sollte Essen nicht ein zweites Mal Planungsgeld ausgeben, bevor die Wirtschaftlichkeit belegt ist.
0549/2026/7: Neuer Verwaltungscampus - Vorstellung des Ergebnisses der Entwurfswerkstatt und Beauftragung des prämierten Entwurfs zur Erstellung einer vertiefenden Konzeptplanung, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 2. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.