Essen baut Schwimmbäder nur zu 39 Prozent
Essens städtische Bäder- und Sportbetriebe gaben von 173,6 Millionen Euro für Bäder und Sportplätze nur 67,4 Millionen aus, weil Personal fehlt
Was ist passiert?
Essen (NRW). Die städtischen Sport- und Bäderbetriebe (SBE) sind dafür zuständig, Sportstätten und Bäder zu betreiben und instand zu halten. Dafür stellen sie jedes Jahr einen Investitionsplan auf, der festlegt, wie viel Geld in welche Projekte fließen soll.
Die Zahlen für die Jahre 2020 bis 2025 zeigen, wie weit Plan und Wirklichkeit auseinanderliegen. Geplant waren zusammen 173,6 Mio. Euro, tatsächlich flossen 67,4 Mio. Euro. Rund 106 Mio. Euro blieben damit liegen. Im Durchschnitt wurden jährlich 28,9 Mio. Euro eingeplant und 11,2 Mio. Euro umgesetzt. Im Jahr 2022 waren es von 25,8 Mio. Euro gerade 8,3 Mio. Euro, 2024 von 44,0 Mio. Euro nur 11,8 Mio. Euro. Für 2025 liegt erst ein vorläufiger Stand vom 12. Januar 2026 vor: 22,3 Mio. Euro von 48,9 Mio. Euro.
Die Verwaltung beantwortete mit ihrer Vorlage einen Antrag der CDU und führt die Lücke zunächst auf äußere Umstände zurück: belasteter Boden, strengere Auflagen, überlastete Baufirmen und Genehmigungsbehörden, Lieferengpässe. Das mag stimmen. Doch dann folgt das eigentliche Eingeständnis: Mit dem vorhandenen Personal sei das Programm nicht im vorgesehenen Zeitraum zu schaffen. Die geplanten Mittel haben sich von 2020 bis 2025 ungefähr vervierfacht, der Personalbestand blieb nahezu gleich. Die Kapazitäten gelten als vollständig ausgereizt, und liegengebliebene Projekte kommen zu den neuen noch obendrauf.
Auch für die kommenden Jahre rechnet die Verwaltung mit einer Lücke, sie nennt ihre Planung selbst ambitioniert. Mehr Fachpersonal wäre eine Option, würde aber den Verlustausgleich der Stadt deutlich erhöhen. Wie viel das kosten würde, nennt die Vorlage nicht. Innerhalb der SBE sei es jedenfalls nicht mehr zu finanzieren.
Kritik
Ein Investitionsplan, der über Jahre nur zu 39 Prozent erfüllt wird, ist kein Plan, sondern eine Wunschliste. Wer die Mittel vervierfacht und das Personal nicht anpasst, muss mit liegengebliebenen Projekten rechnen. Die Verwaltung hätte die Planansätze an das tatsächlich Machbare koppeln oder frühzeitig die nötigen Fachkräfte einstellen müssen. Wenn Bürger Bäder und Sportstätten erwarten, braucht es realistische Projektlisten statt Millionenansätze, die Jahr für Jahr ungenutzt bleiben.
0060/2026/6: Realisierung von Investitionsmaßnahmen der Sport- und Bäderbetriebe Essen hier: Beantwortung des Antrags 1381/2025/CDU, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.