Essener Fußgängerbrücke: Kosten mehr als verdoppelt
Die Brücke zwischen Kupferdreh und Heisingen in Essen soll statt 774.000 Euro nun 1,68 Millionen Euro kosten, ein Plus von 906.300 Euro
Was ist passiert?
Essen (NW). Die Fußgängerüberführung zwischen Kupferdreh und Heisingen ist so stark beschädigt, dass die Stadt sie sperren musste: Verkehrs- und Tragsicherheit waren nicht mehr gewährleistet. Dass die Brücke erneuert werden muss, steht deshalb außer Frage. Im September 2025 beschloss der Rat dafür Gesamtkosten von 774.000 Euro.
Nur ein halbes Jahr später, bei der Submission am 9. März 2026, war von dieser Summe wenig übrig. Das wirtschaftlichste Angebot lag bei rund 1,62 Mio. Euro. Rechnet man die bereits ausgegebenen 20.300 Euro für Planung und Bauvorbereitung hinzu, liegt der Ratsbeschluss um 866.300 Euro überschritten. Weitere rund 40.000 Euro für Ingenieur- und Kleinleistungen kommen obendrauf. Am Ende steht ein Mehrbedarf von 906.300 Euro und ein Gesamtbetrag von 1.680.300 Euro. Je Euro, den der Rat bewilligt hatte, werden nun gut 2,17 Euro fällig (1.680.300 : 774.000).
Die Verwaltung erklärt das so: Die eingegangenen Angebote zeigten eine eindeutige Tendenz, die ursprünglichen Kosten seien zu niedrig angesetzt gewesen. Es habe umfangreichere Arbeitsschritte und höhere Materialpreise gegeben als geplant. Eine Neuausschreibung würde nichts bringen. Das mag stimmen. Es heißt aber auch, dass die Stadt den Leistungsumfang ihrer eigenen Brücke zu knapp kalkuliert hatte.
Das Geld kommt aus anderen Töpfen: In dem Projekt standen 726.000 Euro bereit, die übrigen 934.000 Euro werden überplanmäßig bereitgestellt. Gedeckt werden sie aus drei Vorhaben, deren Baubeginn sich verschiebt, darunter 400.000 Euro von der Heisinger Straße und 300.000 Euro für Fahrtreppen am U-Bahnhof Altenessen-Mitte. Außerdem konnte bei ersten Bietergesprächen keine Firma den vorgesehenen Fertigstellungstermin Sommer 2026 garantieren. Allein die Mehrkosten verursachen zusätzlich rechnerisch rund 31.900 Euro im Jahr (16.767 Euro Zinsen plus 15.105 Euro Abschreibung).
Kritik
Eine Kostenermittlung, die sechs Monate nach dem Baubeschluss um mehr als 100 Prozent danebenliegt, taugt nicht als Entscheidungsgrundlage für den Rat. Bei einem Ersatzbau, dessen Umfang durch die Schäden am alten Bauwerk weitgehend bekannt sein muss, sind umfangreichere Arbeitsschritte kein Marktrisiko, sondern ein Planungsmangel. Dass die Mehrkosten aus drei anderen Projekten genommen werden, deren Beginn sich verschiebt, verlagert das Problem nur. Der Rat hätte vor dem Baubeschluss eine belastbare, mit Marktpreisen abgeglichene Kostenberechnung verlangen müssen. So blieb ihm im März nur noch, die Mehrkosten abzunicken, weil die Frist zur Auftragserteilung drängte.
0579/2026/6: Gesamtkostenerhöhung der Maßnahme „Fußgängerüberführung Kupferdreh - Heisingen", Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 30. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.