Essener Schule doppelt so teuer wie geplant
Der Neubau der Tiegelschule in Essen kostet 32,32 Millionen Euro, beschlossen waren 2019 nur 16,3 Millionen, weil Pfusch und Bauverzug zahlen lassen
Was ist passiert?
Die Tiegelschule im Essener Stadtbezirk I wird abgerissen und neu gebaut, weil die Stadt als Schulträger einen ordnungsgemäßen Schulbetrieb sicherstellen muss. Begonnen hat das Vorhaben im Förderprogramm „Gute Schule 2020“. Der Rat rechnete 2017 noch mit 10 Mio. Euro, am 27. Februar 2019 beschloss er Abriss und Neubau für 16,3 Mio. Euro.
Seither wanderte die Summe fast jedes Jahr nach oben: 20,4 Mio. Euro im Oktober 2020, 24,3 Mio. Euro im Juni 2021, 27,6 Mio. Euro im Jahr 2024, zuletzt 29,4 Mio. Euro. Nun legt die Verwaltung weitere 2,9 Mio. Euro drauf, macht 32,32 Mio. Euro. Das sind gut 16 Mio. Euro mehr als beschlossen. Auf die rund 87 Monate seit dem Beschluss gerechnet, verteuerte sich das Projekt um etwa 184.000 Euro pro Monat (16,02 Mio. Euro geteilt durch 87).
Die Verwaltung nennt als Ursache Störungen im Bauablauf. Beim Anfahren der Heizung trat ein Wasserschaden auf, Vorarbeiten für die Bodenbeläge mussten wiederholt werden. Hinzu kamen Schlechtleistungen bei Putz und Fassade, Kündigungen von Firmen, Lieferengpässe und Preissteigerungen. Die beigefügte Aufstellung relativiert das Bild: Der Wasserschaden schlägt dort mit 60.000 Euro für wiederholte Bodenarbeiten und 7.500 Euro für Trocknungsgeräte zu Buche. Größere Brocken sind die Bauzeit und die Planung. Allein ein Nachtrag für die verlängerte Bauzeit der Elektroarbeiten beträgt rund 241.700 Euro, die Nachträge der planenden Bietergemeinschaft summieren sich auf über 1 Mio. Euro, beides noch in Verhandlung. Beim gekündigten Putzer war der Einbehalt zu niedrig, weil er „sehr günstig“ angeboten hatte.
Bezahlt wird die Differenz von 2,96 Mio. Euro aus Mitteln, die beim Anbau der Alfred-Krupp-Schule vorerst nicht abfließen. Fertig werden soll die Schule weiterhin im Sommer 2026.
Kritik
Wer den günstigsten Anbieter nimmt und dann nachbessern, kündigen und neu ausschreiben muss, spart am Ende nichts, sondern zahlt doppelt. Dass der Einbehalt beim gekündigten Putzer nicht reichte, zeigt, dass das Risiko des Billigangebots nicht eingepreist war. Bei Kosten, die sich in sieben Jahren verdoppeln, hätte der Rat früher und unabhängig von der Bauleitung Rechenschaft verlangen müssen. Und Geld, das beim nächsten Schulprojekt fehlt, ist keine Lösung, sondern verschiebt das Problem nur.
0479/2026/7: Neubau Tiegelschule, Tiegelstraße 29, 45141 Essen hier: Kostenanpassung im laufenden Projekt Tiegelschule, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 27. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.