Staatsbilanz

Stadt/Essen/Kostensteigerung

Essener Schulsporthallen fast doppelt so teuer

Für sechs Schulsporthallen in Essen steigen die Kosten von 33,4 Millionen auf 61 Millionen Euro, drei Hallen sollen nun abgerissen werden

Was ist passiert?

Essen (NRW). Die Stadt betreibt ein Turnhallensanierungsprogramm, das marode Sporthallen an Schulen wieder nutzbar machen soll, auch für den Vereinssport. Im Paket V stehen sechs Hallen, darunter die der Erich-Kästner-Gesamtschule, des Berufskollegs West und der Tiegelschule. Als der Rat im September 2023 die Fortführung beschloss, waren dafür 33,4 Mio. Euro angesetzt, überwiegend für Generalsanierungen.

Nach Abschluss der Grundlagenermittlung durch die städtische Grundstücksverwaltung GVE liegt der Wert bei 61,0 Mio. Euro, also 27,6 Mio. mehr (61,015 minus 33,4). Je Halle sind das im Schnitt gut 10 statt knapp 6 Mio. Euro (61,0 und 33,4 jeweils geteilt durch sechs). Drei Hallen, die saniert werden sollten, sollen nun abgerissen und neu gebaut werden. Die Tiegelschule war ohnehin als Neubau beauftragt. Die Begründung: Ein Neubau halte die Sportstättennorm DIN 18032 besser ein, sei langlebiger und bringe Schul- wie Vereinssport mehr Nutzen. Dass er bis zu sechs Monate länger dauert und zusätzliche Abbruchkosten verursacht, räumt die Vorlage selbst ein.

Besonders kräftig stiegen die Kosten bei den beiden Hallen, die weiter saniert werden sollen. Die Doppelsporthalle der Erich-Kästner-Gesamtschule soll statt 5,2 nun 15,57 Mio. Euro kosten, fast das Dreifache. Ein Neubau scheidet dort aus, weil die Halle auf einer ehemaligen Mülldeponie steht und das Baugrundrisiko als zu hoch gilt. Beim Berufskolleg West stieg der Betrag von 4,7 auf 11,0 Mio. Euro. Nach neu entdeckten Fassadenmängeln müssen statische Bauteile des ganzen Gebäudeflügels in die Sanierung einbezogen werden, die Planung der Außenhülle soll auf das gesamte Schulgebäude ausgedehnt werden. Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Nur die Tiegelschule wird billiger, von 6,4 auf 4,9 Mio. Euro.

Der Rat soll am 8. Juli 2026 beschließen, die bereits beauftragte Planung bis zur Entwurfsplanung fortzuführen. Belastbare Kostenberechnungen und die Finanzierung sollen erst in einer späteren Vorlage folgen. Vorerst soll das Geld über den Pool-Topf Schulerweiterungen im Doppelhaushalt 2027/2028 gesichert werden.

Kritik

Ein Programm über 33,4 Mio. Euro hätte 2023 nicht beschlossen werden dürfen, ohne zu klären, ob Sanierung bei jeder Halle überhaupt der richtige Weg ist. Dass nun bei drei Hallen der Abriss sinnvoller sein soll und zwei Sanierungen auf das Doppelte bis Dreifache steigen, zeigt, wie wenig die damalige Zahl taugte. Vor einer weiteren Weichenstellung gehört der Zustand der Gebäude gründlich geprüft, besonders beim Berufskolleg West, wo die Prüfung noch läuft. Wird die Finanzierung zudem budgetneutral aus dem Pool-Topf Schulerweiterungen dargestellt, muss das Geld für diesen Mehrbedarf von 27,6 Mio. Euro an anderer Stelle des Topfes freigemacht werden.

0644/2026/7: Turnhallensanierungsprogramm hier: Fortführung des Sanierungsprogramms mit dem Paket V, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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