Staatsbilanz

Stadt/Essen/Kostensteigerung

Essener Weberplatz wird 2,65 Millionen teurer

Der Umbau des Weberplatzes in Essen kostet 7,19 statt 4,54 Millionen Euro, die Stadt trägt die Mehrkosten allein

Was ist passiert?

Der Weberplatz liegt in der nördlichen Innenstadt von Essen und verbindet den Stadtkern mit der Grünen Mitte und dem Universitätsviertel. Bisher ist er weitgehend versiegelt, hat kaum Grün und Geländesprünge, die den Weg erschweren. Nach einem Wettbewerb 2023 soll daraus ein klimaangepasster Stadtplatz mit Stadtbühne, Fontänenfeld sowie Rampen und Treppen werden. Aus dem Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“ fließen dafür 3,038 Mio. Euro.

Beim Planbeschluss im Dezember 2025 standen laut Text der Vorlage 4,541 Mio. Euro im Raum, die Anlage nennt an anderer Stelle sogar nur 3,919 Mio. Euro. Nun soll der Rat 7,191 Mio. Euro freigeben, rund 2,65 Mio. Euro oder 58 Prozent mehr. Weil die Förderung unverändert bleibt, zahlt die Stadt jeden Cent der Mehrkosten selbst. Ihr Eigenanteil steigt von rund 1,5 Mio. Euro (4,541 minus 3,038) auf 4,153 Mio. Euro, also auf mehr als das Zweieinhalbfache.

Besonders auffällig ist die Beleuchtung. In der Kostenschätzung stand dafür ein Pauschalbetrag von 56.000 Euro netto, in der Kostenberechnung 143.200 Euro. Im Kostenanschlag sind es jetzt 336.134 Euro, gut das Sechsfache der ersten Zahl. Dabei gehörte die Anpassung der Beleuchtung von Beginn an zum Vorhaben. Auch bei der Entsorgung von Boden und Material (wegen der Einstufung in Deponieklasse III) wuchs der Ansatz von 295.240 auf 675.057 Euro netto. Die Baustelleneinrichtung verteuerte sich von 150.000 auf 278.732 Euro netto. Obendrauf kommen Sicherheitszuschläge von 25 Prozent für Straßenbau und Freianlagen sowie 5 Prozent für Begrünung und Ausstattung, zusammen 780.486 Euro netto.

Die Verwaltung spricht von einer Konkretisierung der Ausführungsplanung, die Planungsziele blieben unverändert. Das ist ihre Lesart. Das Geld soll aus dem städtischen Sammeltopf „Lückenschluss Radwegenetz“ kommen. Zusätzlich steigen die jährlichen Unterhaltungskosten wegen Fontänenfeld, Drainageleitungen und Rinnen, einen Betrag nennt die Vorlage nicht.

Kritik

Wenn eine Beleuchtung, die ohnehin zum Platz gehört, erst bei der Ausführungsplanung mit dem Sechsfachen der ersten Schätzung auftaucht, war die Schätzung kein Planungswert, sondern eine Platzhalterzahl. Die Politik hat dem Vorhaben auf dieser Grundlage zugestimmt und sich die Fördermittel gesichert. Die Stadt bleibt nun auf der gesamten Differenz sitzen. Bekannte Posten wie Beleuchtung, Bodenentsorgung und Baustelleneinrichtung gehören von Anfang an realistisch in die Kostenschätzung, und Geld, das für Radwege vorgesehen war, sollte nicht zum Ausgleich solcher Rechenfehler dienen.

1250/2026/6: Bau und Baubeginn der Maßnahme "Umgestaltung Weberplatz", Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 29. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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