Essens Straßenplanung wird 1,5 Millionen teurer
Die Planung für die Friedrichstraße in Essen kostet 3,83 statt 2,34 Millionen Euro, weil ein Lüftungsschacht im Autobahntunnel übersehen wurde
Was ist passiert?
Die Stadt Essen baut den Berthold-Beitz-Boulevard in Abschnitten aus. Weil der dritte Bauabschnitt mehr Verkehr auf die Friedrichstraße bringen soll, will die Stadt diese zwischen Bert-Brecht-Straße und Kaupenstraße umbauen. Gebaut wird noch nicht. Bisher geht es um Planung und Bauvorbereitung, und schon die sind teuer geworden.
Im Juni 2023 hatte der Rat dafür 2.341.000 Euro bewilligt. Ende Mai 2026 waren davon bereits rund 2.353.000 Euro verbraucht, der Rahmen also aufgebraucht und sogar leicht überschritten. Nun sollen weitere 1.490.000 Euro hinzukommen, insgesamt 3.831.000 Euro. Das sind knapp zwei Drittel mehr als beschlossen (1,49 Mio. : 2,341 Mio. = rund 64 Prozent).
Die Begründung der Verwaltung: Auf Grundlage neuer bergbaulicher Unterlagen sei ein Lüftungsschacht des A40-Tunnels aufgetaucht, der bislang nicht berücksichtigt wurde und nun umgeplant werden muss. Außerdem war der Altbergbau seinerzeit nur im Bereich des neuen Kanals untersucht und gesichert worden, nicht im gesamten Plangebiet. Weitere Sicherungen gelten daher als wahrscheinlich. Hinzu kommen Gutachten für den Bebauungsplan und Kampfmitteluntersuchungen. Die Risiken des Untergrunds führten laut Vorlage zu einer „enormen Kostensteigerung“.
Das Geld ist nicht vorhanden. Im Projekt stehen für 2026 noch rund 800.000 Euro bereit, die übrigen 690.000 Euro sollen überplanmäßig bereitgestellt werden. Sie sollen aus der Erschließung der Bullmannaue (600.000 Euro) und der Erneuerung der Fürstäbtissinstraße (90.000 Euro) kommen, deren Baubeginn sich verschiebt.
Fördergeld soll frühestens 2028 fließen. Der Förderantrag stammt aus dem Jahr 2019 und soll erst 2027 bei den Kosten überarbeitet werden, acht Jahre nach Einreichung. Zusätzlich sollen jährlich rund 52.400 Euro kalkulatorische Kosten anfallen (27.565 Euro Zinsen plus 24.833 Euro Abschreibung). Der Rat sollte am 8. Juli 2026 entscheiden, wie es ausgeht, ist unbekannt.
Kritik
Ein Lüftungsschacht eines Autobahntunnels ist kein Detail, das man erst nach Jahren der Planung entdecken darf. Auch die Altbergbau-Sicherung nur für den Kanalbereich war zu knapp gedacht, wenn die Straße auf dem ganzen Plangebiet umgebaut wird. Hier hätte der Untergrund gleich für die gesamte Fläche untersucht werden müssen, statt Stück für Stück nachzubeauftragen. So wird am Ende doppelt gezahlt: für die erste, lückenhafte Untersuchung und für die zweite, die sie ergänzen muss.
0837/2026/6: Erhöhung der Planungs- und Bauvorbereitungskosten der Maßnahme "Berthold-Beitz-Boulevard, BA 3.3 Friedrichstraße", Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.