Essens Turnhallen fast doppelt so teuer
Essen rechnet für einen Teil der Schulturnhallen-Sanierung mit 61 statt 33,4 Millionen Euro, noch bevor ein Entwurf vorliegt
Was ist passiert?
Die Stadt Essen saniert ihre Schulturnhallen in einem Programm, das in Pakete aufgeteilt ist. Geplant werden die Arbeiten von der städtischen Tochter GVE GmbH. An mehreren Standorten ist inzwischen sogar ein Neubau vorgesehen, darunter beim Gymnasium Borbeck, beim Maria-Wächtler-Gymnasium und bei der Berliner Schule.
Für das fünfte Paket liegt nun eine vorläufige Kostenschätzung aus der Grundlagenermittlung vor: 61,015 Mio. Euro. Das sind 27,615 Mio. Euro mehr als zuvor, der frühere Stand lag also bei 33,4 Mio. Euro (61,015 minus 27,615). Aufschlag: 83 Prozent. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt, denn die Entwurfsplanung hat noch gar nicht begonnen. Das Paket ist fast verdoppelt, bevor ein einziger Entwurf auf dem Tisch liegt.
Nach Darstellung der Fraktion EBB/FDP, die den Fall mit einem Antrag in den Rat gebracht hat, hat die Teuerung handfeste Gründe. Bei der Erich-Kästner-Gesamtschule sei erst jetzt aufgefallen, dass das Grundstück eine ehemalige Mülldeponie ist. Die Sanierung dort soll 15,57 Mio. Euro kosten. Am Berufskolleg Essen-West drohten statische Schäden sich auf den gesamten Gebäudekomplex auszuweiten.
Ungeklärt ist die Finanzierung. Die Verwaltung will die Mehrbelastung laut Antrag im Doppelhaushalt 2027/2028 aus dem Pool „Schulerweiterungen“ bezahlen. Das Geld, das für zusätzliche Unterrichtsräume gedacht war, würde dann in die Turnhallen fließen. Die Fraktion verlangt stattdessen ein budgetneutrales Deckungskonzept, eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, ob Neubau günstiger ist als eine optimierte Sanierung, und einen Statusbericht zu den Schäden am Berufskolleg. Der Rat sollte am 8. Juli 2026 entscheiden. Wie er votierte, ist nicht bekannt.
Kritik
Wenn eine Kostenschätzung vor der Entwurfsplanung um 83 Prozent springt, wurden Risiken wie ein belasteter Baugrund oder Schäden an der Statik zu spät untersucht. Solche Untersuchungen gehören an den Anfang eines Projekts und nicht in die Phase, in der schon Planungskosten fließen. Es ist zudem ein schlechtes Verfahren, Mehrkosten für Turnhallen stillschweigend aus dem Topf für Klassenzimmer zu decken. Vor weiteren Planungsschritten gehören eine belastbare Gegenüberstellung von Neubau und Sanierung sowie eine gesicherte Finanzierung auf den Tisch.
1087/2026/EBB-FDP: Änderungs- und Prüfantrag zur Drucksache 0644/2026/7 - Hier: Turnhallensanierungsprogramm Paket V: Kostenexplosion stoppen, Budgethoheit des Rates wahren und Schulerweiterungen schützen!, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.