Staatsbilanz

Stadt/Essen/Kostensteigerung

Grugapark-Eingang: 25 statt 15 Millionen

Essen will am Grugapark Eingang und Gastronomie neu bauen, für 24,8 statt 15,1 Millionen Euro, dazu 940.000 Euro Folgekosten im Jahr

Was ist passiert?

Am Eingang des Essener Grugaparks steht die Orangerie, ein Gebäude mit Glasdach, in dem Gastronomie betrieben wird und Flächen verpachtet werden. Das Haus ist in die Jahre gekommen: Bei Regen dringt Wasser durchs Dach, die Technik gilt als dringend überholungsbedürftig. Die Stadt will das Gebäude deshalb abreißen und durch einen Neubau mit Eingang und Gastronomie ersetzen. Im Frühjahr 2027 soll der Abriss beginnen, zum 100-jährigen Jubiläum des Parks soll alles fertig sein.

Im ersten Ansatz standen dafür 15,1 Mio. Euro netto im Raum. Nun soll der Rat Baukosten von 24,8 Mio. Euro netto beschließen. Das sind 9,7 Mio. Euro oder knapp zwei Drittel mehr (24,837 minus 15,110 Mio. Euro). Weil der Teil für die „Schule Natur“ nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, belastet das Vorhaben das Budget sogar mit 26,7 Mio. Euro. Ein Risikozuschlag ist in diesen Zahlen noch nicht enthalten.

Die Verwaltung führt mehrere Gründe an. Der größte Einzelposten ist ein Rechenfaktor: Die Planer hatten die Baukosten mit einem Regionalfaktor von 0,87 für Essen angesetzt, nach interner Prüfung gilt nun 1,0. Allein das macht 2,27 Mio. Euro netto aus. Hinzu kommen unter anderem 1,49 Mio. Euro für die Überplanung des Projekts und 840.000 Euro für die Anpassung an die Grugatrasse. Die ursprünglich angestrebte Nachhaltigkeitszertifizierung wurde von Platin auf Gold abgestuft, um Kosten zu senken. Was das spart, könne man laut Stadt nicht beziffern.

Auch nach der Eröffnung wird das Gebäude teuer. Die Stadt rechnet mit Abschreibungen von 445.400 Euro und Zinsen von 494.400 Euro im Jahr. Zusammen sind das rund 940.000 Euro jährlich, also etwa 2.575 Euro pro Tag (939.800 Euro geteilt durch 365).

Kritik

Für ein Eingangs- und Gastronomiegebäude fast 25 Mio. Euro netto auszugeben, ist für sich genommen schon eine stolze Summe. Dass die Kosten schon vor dem ersten Abrissbagger um knapp zwei Drittel gestiegen sind, zeigt, wie unsicher die Zahlen sind, zumal ein Risikozuschlag erst noch dazukommen kann. Ein Gebäude, dessen Zweck Gastronomie und Verpachtung ist, sollte sich an einem klaren Kostendeckel messen lassen. Die Stadt hätte eine deutlich schlichtere Lösung ernsthaft prüfen müssen, statt am Ende fast 940.000 Euro jährliche Folgekosten in Kauf zu nehmen.

1284/2026/6: Grugapark: Baubeschluss für den Neubau des Eingangs- und Gastronomiegebäudes (vormals Orangerie), Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 16. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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