Staatsbilanz

Stadt/Essen/Fehlender Bedarf

5,9 Millionen Euro für eine Kita, die nicht kommt

Essen hält 5,9 Millionen Euro für die Kita Raumer Straße im Budget, obwohl dort ein Heim geplant ist, die kaputte Kita Helen-Keller-Straße bekommt 0,3 Millionen

Was ist passiert?

Die Stadt Essen baut ihr Angebot an Kinderbetreuung seit 2019 in der sogenannten V. Staffel ihres Kita-Ausbauprogramms aus. Zu Beginn fehlten rund 2.900 Plätze. Zwölf Standorte waren ursprünglich vorgesehen, dazu kamen später zwei weitere. Eine VI. Staffel will die Verwaltung nicht mehr auflegen, weil geeignete Flächen knapp werden.

Im Mai 2026 schlug die Verwaltung dem Rat vor, das Budget der V. Staffel um 3,51 Mio. auf 62,04 Mio. Euro zu erhöhen. In der Kostentabelle steht auch die Raumer Straße 61. Dort sollte das ehemalige Handballleistungszentrum zu einer viergruppigen Kita umgebaut werden. Der Umbau ist jedoch zurückgestellt. Nach dem Auszug der Sport- und Bäderbetriebe bevorzugt die Jugendhilfeplanung mittlerweile eine Nutzung für Heimzwecke. Trotzdem blieben 5,9 Mio. Euro für das Projekt im Budget. Das ist die offizielle Lage: zurückgestellt, nicht gestrichen.

Dabei ging die Stadt an anderer Stelle konsequenter vor. Das Projekt Danziger Straße mit 3,1 Mio. Euro fiel komplett weg, weil es keinen Bedarf und keine ausreichend konkreten Planungen mehr gab. Ohne die 5,9 Mio. Euro für die Raumer Straße läge das Programm bei 56,14 Mio. Euro (62,04 minus 5,9) und damit unter den ursprünglichen 58,53 Mio. Euro.

Gleichzeitig sind Vorhaben, die gebraucht werden, nur mit Teilbeträgen enthalten. Die Kita Helen-Keller-Straße 10 ist seit 2022 wegen erheblicher baulicher Mängel geschlossen, der Betrieb läuft an zwei Ausweichstandorten. Ihre Sanierung soll rund 6,16 Mio. Euro kosten, im Budget stehen 0,3 Mio. Euro. Für den Neubau Mölleneystraße gilt ein Kostenrahmen von 8,1 Mio. Euro, enthalten sind 0,5 Mio. Euro. Zusammen fehlen dort 13,46 Mio. Euro (5,86 plus 7,6), die noch nicht eingerechnet sind.

Kritik

Ein Budget sollte zeigen, was die Stadt tatsächlich vorhat. Wer 5,9 Mio. Euro für ein Projekt vorhält, das die eigene Jugendhilfeplanung anders nutzen will, bindet Geld auf Vorrat und macht das Programm größer, als es ist. Bei der Danziger Straße hat die Stadt gezeigt, dass sich ein überholter Posten streichen lässt. Dasselbe wäre hier angebracht gewesen, damit die Mittel dort auftauchen, wo Kitas gebraucht werden: bei der seit 2022 geschlossenen Einrichtung in der Helen-Keller-Straße.

0181/2026/7: Ausbau des Kinderbildungs- und Betreuungsangebotes hier: Umsetzungsstand zur V. Staffel des Kita-Ausbauprogramms, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 6. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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