Staatsbilanz

Stadt/Essen/Kostensteigerung

Theater-Sparplan, der nicht spart

Essens Theater und Philharmonie sollen 2031 trotz Sparkurs 68,36 statt 58,46 Mio. Euro Zuschuss bekommen, also 9,9 Mio. Euro mehr als eingeplant.

Was ist passiert?

Die Stadt Essen unterhält über die Theater und Philharmonie Essen GmbH (TuP) ein Mehrspartenhaus mit fünf Sparten, vom Musiktheater im Aalto bis zur Philharmonie. Dafür sind jährlich 58,46 Mio. Euro Zuschuss eingeplant. Die Rücklage der Gesellschaft betrug Ende Juli 2025 noch 982.000 Euro und sollte ein Jahr später aufgebraucht sein. Bis 2030 klaffte zwischen der Planung der Gesellschaft und der städtischen Zuschussplanung zudem eine Lücke von zusammen rund 48 Mio. Euro.

Der Rat ließ deshalb die Beratungsgesellschaft actori ein Sanierungskonzept erarbeiten. Ohne Eingriffe würde der Zuschussbedarf bis 2031 auf 74,96 Mio. Euro steigen. Mehr Vorstellungen, höhere Ticketeinnahmen und weniger Krankheitstage sollen 6,68 Mio. Euro bringen, dazu fallen 29 Stellen weg. Empfohlen wird dieses „Szenario 1“. Der Zuschuss läge 2031 dann trotzdem bei 68,36 Mio. Euro und damit 9,9 Mio. Euro oder rund 17 Prozent über dem Plan. Über die fünf Jahre bis 2031 summiert sich das auf 37,5 Mio. Euro Mehrbelastung, im Schnitt 7,5 Mio. Euro pro Jahr. Die Verwaltung hält diesen Weg für vertretbar, weil die beiden Alternativen tiefe Einschnitte ins Programm bedeuteten. So lautet die Begründung.

Hinzu kommt eine einmalige Kapitaleinlage von bis zu 5 Mio. Euro aus dem Haushalt 2027, denn für die laufende Spielzeit zeichnet sich ein ungedecktes Defizit von rund 5 Mio. Euro ab. Ob die Einlage überhaupt werthaltig ist, will die Verwaltung „zu gegebener Zeit“ prüfen. Allein die kalkulatorischen Zinsen betragen bis zu 185.000 Euro jährlich (3,7 Prozent von 5 Mio. Euro).

Die Rechnung hat Unsicherheiten. Allein 2,4 Mio. Euro sollen aus höheren Ticketeinnahmen kommen, obwohl die Besuchszahlen 12 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie liegen. Das Szenario unterstellt 2031 sogar 35 Prozent mehr Besuche als bei unverändertem Betrieb. Die Personalausstattung ist seit 2018/19 um rund 77 Vollzeitstellen gewachsen, abgebaut werden nur 29. Die Berater räumen selbst ein, dass eine Dynamisierung des Zuschusses unabdingbar sei. Die Stadt soll außerdem einen „Zukunftspakt Bühne“ erarbeiten.

Kritik

Ein Sparkonzept, das den jährlichen Zuschuss am Ende um knapp 10 Mio. Euro über den Plan hebt, ist keine Konsolidierung, sondern die Ankündigung höherer Ausgaben. Gerade die Einsparungen bei Tickets und Personal hängen von Annahmen ab, die angesichts sinkender Besuchszahlen und eines seit 2018/19 aufgestockten Personalbestands sehr optimistisch sind. Wer bis zu 5 Mio. Euro nachschießt, sollte vorher wissen, ob dieses Geld überhaupt werthaltig angelegt ist. Der Rat hätte klare Obergrenzen für den Zuschuss und verbindliche Zwischenziele für Auslastung und Stellenabbau festlegen müssen, statt eine offene Zuschusserhöhung hinzunehmen.

0844/2026/2: Theater und Philharmonie Essen GmbH hier: Ergebnisse des extern begleiteten Konsolidierungsprojektes und Entscheidung über umzusetzende Optimierungsmaßnahmen, Ratsinformationssystem der Stadt Essen, 8. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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