233.000 Euro für einen Proberaum
Freiburg stellt für 1,6 Millionen Euro Holzcontainer als sieben Bandproberäume auf, die nach eineinhalb Jahren schon wieder umziehen sollen
Was ist passiert?
Seit Juni 2024 fehlen der Freiburger Bandszene acht Proberäume. Damals musste der Verein Multicore die Kelleretage des Kunsthauses L6 in der Lameystraße räumen, das Gebäude wurde abgerissen. Ersatz soll auf einer Fläche an der Edith-Stein-Schule am Eschholzpark entstehen, und zwar ausdrücklich nur vorübergehend.
Geplant sind 16 Holzmodule. Vierzehn davon werden paarweise zu sieben Proberäumen mit je rund 36 Quadratmetern verbunden. Eines dient dem Verein als Büro, eines enthält barrierefreie Toiletten. Dazu kommen Fundament, Wasser- und Stromanschlüsse. Die Stadt rechnet mit 1.629.500 Euro. Je Proberaum sind das rund 233.000 Euro (1.629.500 Euro geteilt durch 7).
Fertig sein sollen die Module zum Jahreswechsel 2025/2026. Lange stehen bleiben sollen sie dort allerdings nicht. Sobald das neue Rettungszentrum an der Eschholzstraße fertig ist, voraussichtlich im Juni 2027, wird eine Fläche in der Schönauer Straße 3 frei. Dorthin sollen die Module dann umziehen. Am ersten Standort bleiben also rund eineinhalb Jahre Betrieb. Was Abbau, Transport und Neuaufstellung kosten, verrät die Vorlage nicht. Die Verwaltung spricht von einem „Pilot“, der Verein sogar von einem „experimentellen Reallabor“. Das klingt nach Zukunft, ändert aber nichts daran, dass hier für einen kurzen Zwischenhalt gebaut wird.
Zurück fließt wenig. Die Stadt verlangt 10 Euro Miete je Quadratmeter. Für einen Proberaum sind das rund 360 Euro im Monat oder 4.320 Euro im Jahr. Rechnerisch dauert es damit gut 50 Jahre, bis die Baukosten eines einzigen Raums wieder eingespielt sind. Ein Teil dieser Miete ist zudem ein Kreislauf. Multicore erhält 2025 einen Zuschuss von 44.300 Euro und 2026 einen von 45.410 Euro. Daraus zahlt der Verein unter anderem die Miete für das Büro und für ein eigenes Doppelmodul an die Stadt zurück. Fest an Bands vergeben werden damit nur sechs der sieben Räume.
Kritik
Rund 233.000 Euro für einen Proberaum von 36 Quadratmetern sind für Holzmodule ein stolzer Preis. Hinzu kommt, dass Fundament und Anschlüsse an einem Ort entstehen, der nach etwa eineinhalb Jahren wieder geräumt werden soll. Der Umzug wird weiteres Geld kosten, das bislang niemand beziffert hat. Bevor zweimal aufgestellt wird, hätte die Stadt dem Gemeinderat vorrechnen müssen, was der Zwischenstandort im Vergleich zu einem direkten Bau an der Schönauer Straße kostet.
G-25/093: Bandproberäume - Vergabe und Betreiberkonzept für Bandübungsmodule, Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg, 30. April 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.