Staatsbilanz

Stadt/Freiburg/Kostensteigerung

Freiburgs Theater: mehr Geld, weniger saniert

Freiburg saniert sein Theater für 29,6 Mio. Euro, 4,1 Mio. mehr als 2017 für alles geschätzt, lässt aber Umkleiden und Proberäume aus

Was ist passiert?

Das Theater Freiburg ist ein Eigenbetrieb der Stadt. Zum Komplex an der Sedanstraße gehören ein Altbau von 1910 mit denkmalgeschützter Sandsteinfassade und das Kleine Haus, ein ehemaliges Kino von 1954, das 1996 zur Bühne umgebaut wurde. Beide Gebäude sind seit Jahren sanierungsbedürftig. Ein Planerteam bezifferte den Bedarf 2017 auf 10 Mio. Euro für das Kleine Haus und 15,5 Mio. Euro für den Altbau, zusammen 25,5 Mio. Euro. Weil das Geld fehlte, blieb es zunächst bei Notreparaturen.

Dann kam der Bund ins Spiel. Aus dem Programm „Kulturinvest“ stellte er 2022 bis zu 13,34 Mio. Euro in Aussicht, als Festbetrag und bei förderfähigen Baukosten von höchstens 26,7 Mio. Euro. Im Januar 2026 legte die Verwaltung den Baubeschluss vor: 29,6 Mio. Euro Gesamtkosten, dazu 2,7 Mio. Euro Risikopuffer. Die Stadt trägt davon 16,3 Mio. Euro.

Gebaut wird dafür weniger als einst vorgesehen. Weil der Förderdeckel drückte, wurde der Umfang „priorisiert“. Saniert und aufgestockt wird das Kleine Haus, dazu kommen die Kammerbühne, ein größerer Chorsaal und die Fassade zur Sedanstraße. Im Altbau bleibt es bei Brandschutz und einem Durchgang. Proberäume, Künstlergarderoben, Verwaltungsräume und Sanitäranlagen, die ursprünglich zum Paket gehörten, bleiben vorerst, wie sie sind. Für Kunst am Bau sind dagegen 0,2 Mio. Euro eingeplant.

Unterm Strich kostet das abgespeckte Paket 4,1 Mio. Euro mehr, als 2017 für beide Gebäude komplett veranschlagt war (29,6 minus 25,5 Mio. Euro). Die Verwaltung rechnet Baupreissteigerungen von 5 Prozent jährlich ein. Die Lücke im Altbau schließt das nicht.

Auch Tribüne, Bestuhlung und Möblierung fehlen in der Rechnung, weil der Bund sie nicht fördert. Sie sollen ebenso aus Rücklagen des Theaters kommen wie die Mehrkosten, wenn Kleines Haus und Kammerbühne zwei Spielzeiten lang geschlossen bleiben. Diese Rücklagen lagen Ende August 2024 bei 3,02 Mio. Euro. Für 2028 rechnet die Stadt zudem mit einer Zwischenfinanzierung, etwa über einen Kredit.

Kritik

Freiburg hat den Umfang der Sanierung nach dem Fördertopf zugeschnitten und nicht nach dem Bedarf. Die Mängel in Garderoben, Proberäumen und Sanitäranlagen des Altbaus sind seit 2017 bekannt und dürften später ohne Bundesgeld noch teurer werden. Wer Ausstattung, Interimsbetrieb und weitere Maßnahmen aus Rücklagen von gut 3 Mio. Euro bezahlen will und zugleich einen Kredit braucht, rechnet zu knapp. Vor Aufstockung und Kunstwettbewerb hätte geklärt sein müssen, wie der gesamte Sanierungsbedarf finanziert wird.

G-26/012: Baubeschluss: Theater Freiburg - Sanierung Kleines Haus und Altbau, Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg, 28. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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