Staatsbilanz

Stadt/Freiburg/Finanzrisiko

Alte Kaserne wird Schule statt 10 Millionen

Freiburg verzichtet auf 10 Mio. Euro aus dem Verkauf seiner alten Kaserne, baut sie zur Schule um und kennt die Kosten dafür noch nicht

Was ist passiert?

Die ehemalige Karlskaserne am Europaplatz gehört der Stadt und beherbergt derzeit das Amt für Kinder, Jugend und Familie. Mitte 2027 soll das Amt in den Rathaus-Neubau im Stühlinger umziehen. Danach sollte die Kaserne verkauft werden: 10 Mio. Euro sind dafür für 2029 in der Finanzplanung eingestellt. Das Regierungspräsidium hat diesen Erlös eingefordert. Er ist eine wesentliche Grundlage für die Genehmigung des Doppelhaushalts 2025/2026 und für das Finanzierungsmodell des Rathaus-Neubaus.

Nun hat die Verwaltung eine andere Verwendung gefunden. Weil das Land zu G9 zurückkehrt, bleibt ab dem Schuljahr 2031/2032 ein zusätzlicher Jahrgang mit rund 570 Schülern an den Gymnasien. Bis die neue Schule am Tuniberg fertig ist, sollen die 11. Klassen von fünf Gymnasien in die Kaserne ausweichen. Geplant sind 18 Klassenräume und vier weitere für einen Berufsschulzweig. Einen Schulhof gibt es nicht. Das Dachgeschoss taugt wegen geringer Deckentragfähigkeit und kleiner Fenster nicht zum Unterrichten. Eine Machbarkeitsprüfung hält das Gebäude dennoch für „hervorragend geeignet“.

Für Vorentwurf und Entwurf mit Kostenberechnung sollen 2026 zunächst 600.000 Euro fließen. Das sind rund 27.000 Euro Planung je Raum (600.000 Euro geteilt durch 22 Räume), noch bevor gebaut wird. Was der Umbau insgesamt kostet, will die Stadt erst danach sagen. Container wurden „aus Kostengründen“ verworfen. Eine Zahl dazu nennt die Vorlage nicht.

Klarer ist die Rechnung auf der anderen Seite. Wird die Kaserne nicht verkauft, muss die Zahlung an den Eigenbetrieb des Rathaus-Neubaus aus dem Kernhaushalt kommen. Rechnerisch hängen an jedem der 18 Gymnasialräume gut 555.000 Euro des eingeplanten Erlöses (10 Mio. Euro geteilt durch 18). Die Stadt hofft auf das Land, das nach ihrer Auffassung für die Folgen von G9 aufkommen müsste. Verhandelt ist darüber noch nichts. Frühestens zum Schuljahr 2028/2029 könnten die ersten Schüler einziehen. Danach könnte das Gebäude für die Sanierung der Beruflichen Schulen gebraucht werden. Ein Verkauf rückt damit in weite Ferne.

Kritik

Freiburg legt sich auf eine Zwischenlösung fest, deren Preis niemand kennt. Dafür gibt die Stadt einen Erlös preis, auf dem der Rathaus-Neubau und die Haushaltsgenehmigung ruhen. Bevor 600.000 Euro allein in Pläne fließen, hätte ein belastbarer Kostenvergleich mit Containern oder Anmietung auf den Tisch gehört. Solange das Land nicht zugesagt hat, die Kosten von G9 zu tragen, darf die Stadt das Loch von 10 Mio. Euro nicht stillschweigend in den Kernhaushalt verschieben.

G-25/157: Umgestaltung der Karlskaserne zur temporären schulischen Nutzung, Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg, 18. September 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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