Staatsbilanz

Stadt/Freiburg/Folgekosten

Freiburgs Dachgarten braucht einen Pförtner

Allein für das tägliche Auf- und Zuschließen der öffentlichen Dachterrasse plant Freiburg rund 72.000 Euro im Jahr ein.

Was ist passiert?

Auf dem ehemaligen Güterbahnhofareal im Freiburger Norden ist ein neues Wohnquartier entstanden. Die Projektentwicklerin Aurelis hat sich im städtebaulichen Vertrag zu einer Ablöse von rund 3,7 Mio. Euro verpflichtet. Die Stadt muss im Gegenzug einen Quartiersraum, einen Jugendtreff, ein Spielfeld und einen öffentlichen Dachgarten bauen und mindestens 25 Jahre lang betreiben. Ins selbe Haus sollen außerdem 12 Wohnungen für bis zu 72 Geflüchtete und eine Tiefgarage mit zwölf Stellplätzen.

Die Vorlage vom Juni 2025 nennt hochgerechnet rund 16 Mio. Euro. Bemerkenswert ist, wie stabil diese Zahl ist. Schon der Grundsatzbeschluss von 2023 rechnete mit 16 Mio. Euro, damals allerdings für vier Etagen Flüchtlingsunterbringung statt zwei. Halbiert wurde die Unterbringung, der Preis blieb gleich.

Ganz oben soll ein Dachgarten von rund 557 Quadratmetern entstehen, baurechtlich als Versammlungsstätte eingestuft. Ein vergleichbares öffentliches Dach kennt das städtische Immobilienmanagement nach eigener Aussage nicht. Welche Konflikte zwischen Familien, Jugendlichen und Besuchern entstehen, lasse sich nicht abschließend voraussehen. Das soll eine Arbeitsgruppe nach der Fertigstellung klären. Fest steht nur: Weil keiner der Nutzer Treppenhaus und Aufzug täglich öffnen und schließen kann, soll ein privater Schließ- und Sicherheitsdienst kommen. Er kostet rund 72.000 Euro im Jahr. Das sind etwa 197 Euro pro Tag (72.000 Euro / 365 Tage). Über die vertraglich vereinbarten 25 Jahre gerechnet ergeben sich 1,8 Mio. Euro.

Insgesamt rechnet die Stadt ab 2028 mit Folgekosten von rund 740.000 Euro jährlich. Auf der Einnahmenseite fehlen dagegen 2 Mio. Euro aus dem Landesprogramm „Wohnen für Geflüchtete“. Das Programm lief Ende 2024 aus, die Mittel waren bereits im Mai 2024 vergeben. Freiburg konnte noch keinen Antrag stellen, weil der Bau neun Monate nach der Zusage hätte beginnen müssen und das Projekt so weit nicht war. Ob das Land später Unterbringungskosten erstattet, ist offen.

Kritik

Wer ein Gebäude ohne Vorbild plant, muss vorher klären, wie es funktioniert. Das darf nicht erst eine Arbeitsgruppe nach der Fertigstellung erledigen. Ein Dachgarten, der dauerhaft einen bezahlten Schließdienst braucht, ist für ein Haus, das bereits ein eigenes Spielfeld bekommt, ein teures Extra. Schon beim Vertrag mit der Projektentwicklerin hätte die Stadt auf eine solche Dauerbelastung verzichten müssen. Außerdem hätte sie die Planung neu rechnen müssen, als die Flüchtlingsunterbringung halbiert wurde und 2 Mio. Euro Förderung wegfielen, statt an 16 Mio. Euro festzuhalten.

G-25/105: Güterbahnhofareal: Baubeschluss für ein Multifunktionsgebäude für einen Quartiersraum, einen Kinder- und Jugendtreff und Wohnen für Geflüchtete, Paul-Ehrlich-Straße 1, Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg, 13. Juni 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Freiburg

  1. 04.03.2026Freiburg Zulage für Parkgaragen, die es noch nicht gibt 14.400 € Freiburg will zwei Mitarbeitern 14.400 Euro extra für 2026 zahlen, als Chefs eines Garagenbetriebs, der erst 2027 gegründet wird
  2. 28.01.2026Freiburg Freiburgs Theater: mehr Geld, weniger saniert 29,6 Mio. € Freiburg saniert sein Theater für 29,6 Mio. Euro, 4,1 Mio. mehr als 2017 für alles geschätzt, lässt aber Umkleiden und Proberäume aus
  3. 21.11.2025Freiburg Eishalle Freiburg: Bund zahlt nur ein Fünftel 39 Mio. € Freiburg will seine Eishalle für 39 Mio. Euro sanieren, der Bund gibt nur 8 Mio., die Stadt zahlt mindestens 22 Mio. und trägt alle Mehrkosten

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz