Zweiter Drogentreff für 490.000 Euro
Freiburg zahlt 490.000 Euro für einen zweiten Treffpunkt für Suchtkranke, weil der erste zu klein war und zu nah an Wohnungen lag
Was ist passiert?
Am Colombipark, einem denkmalgeschützten Park in der Freiburger Innenstadt unweit des Bahnhofs, hat sich seit Jahren eine Drogenszene festgesetzt. Die Stadt setzt darauf, suchtkranke Menschen auf ausgewiesene Aufenthaltsplätze zu lenken, statt sie in Hauseingänge zu verdrängen. Dafür eröffnete sie Anfang Juni 2024 den Pergolaplatz am Rand des Parks, geplant in den Jahren 2019 und 2020.
Die Ruhe hielt nicht lange. Lärm, Schmutz und Sicherheitsprobleme führten zu einer massiven Beschwerdelage, die Stadt schloss abends früher und verstärkte die Kontrollen. In der Vorlage räumt die Verwaltung ein, dass auf dem Pergolaplatz ausgerechnet besonders wichtige Voraussetzungen fehlten: ausreichende Größe und genug Abstand zu Wohnungen und Geschäften. Beides steht auf ihrer eigenen Liste der Anforderungen an einen solchen Ort.
Also musste ein zweiter Platz her. Am 2. Oktober 2024 öffnete auf einem städtischen Parkplatz an der Stefan-Meier-Straße eine eingezäunte Fläche mit zehn Holzbänken, Unterständen, einer Toilette und Spritzenbehältern. Die Herstellung kostete rund 490.000 Euro, aufgefangen im Budget des Garten- und Tiefbauamts. Laut Lageplan misst der Platz rund 550 Quadratmeter, das sind knapp 900 Euro je Quadratmeter (490.000 Euro geteilt durch 550).
Gedacht war das als vorläufige Ausweichlösung. Weil der Platz gut angenommen wird, im Schnitt zählten die Kontrolleure etwa 15 Personen, soll der Gemeinderat ihn Anfang April 2025, ein halbes Jahr nach der Eröffnung, dauerhaft widmen. Hinzu kommen jährlich 195.000 Euro für den Betrieb, darunter 85.000 Euro für die werktägliche Reinigung und 14.000 Euro für die monatliche Sonderreinigung der Toilette durch einen Tatortreiniger, plus 16.330 Euro Abschreibung. Zusammen sind das rund 579 Euro am Tag (211.330 Euro geteilt durch 365).
Der Pergolaplatz bleibt trotzdem, nur kürzer: ab Mitte April 2025 montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, also 35 von 168 Wochenstunden. Über seine Zukunft soll im Oktober 2025 entschieden werden.
Kritik
Dass ein gut gewählter Aufenthaltsplatz die Lage entspannen kann, zeigt die Stefan-Meier-Straße. Umso schwerer wiegt, dass die Stadt nach jahrelanger Vorbereitung am Colombipark einen Platz eröffnete, der ihre eigenen zentralen Kriterien verfehlte, und die Korrektur nun noch einmal kostet: 490.000 Euro sofort und über 211.000 Euro in jedem Jahr. Wer Standortkriterien aufstellt, muss sie vor dem Bau prüfen und nicht erst nach den ersten Beschwerden. Eine Dauerlösung dieser Größenordnung gehört vorab in den Gemeinderat, statt ihm ein fertiges Provisorium zur nachträglichen Widmung vorzulegen.
G-25/021: Evaluation und dauerhafte Einrichtung des Aufenthaltsplatzes Stefan-Meier-Straße für suchtkranke Menschen, Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg, 5. März 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.