Staatsbilanz

Stadt/Gelsenkirchen/Imagepflege

150.000 Euro für ein neues Stadtlogo?

Gelsenkirchen will 150.000 Euro für ein neues Erscheinungsbild ausgeben, obwohl der Stadt 2026 ein Minus von 35,7 Millionen Euro droht

Was ist passiert?

Gelsenkirchen hat kein Geld übrig, und die Stadt sagt das in ihrem Haushalt auch selbst. Für 2026 ist ein Minus von 35,7 Mio. Euro eingeplant, und zwar erst nach Abzug eines „globalen Minderaufwands“ von 24 Mio. Euro. Das sind Einsparungen, die noch niemand konkret benannt hat. Ohne diesen Rechenposten läge das Defizit bei 59,7 Mio. Euro. Das Eigenkapital soll von 115,5 Mio. Euro Ende 2025 auf 79,8 Mio. Euro Ende 2026 schrumpfen, und schon in diesem Jahr wird dabei die allgemeine Rücklage angegriffen.

In diese Lage hinein nahm die Verwaltung kurz vor der Ratsentscheidung am 19. Februar 2026 noch einen neuen Posten auf: 150.000 Euro für einen „Markenbildungsprozess der Öffentlichkeitsarbeit“. Der Betrag taucht in der Liste der verwaltungsseitigen Änderungen auf, die Vorlage selbst ist auf den 18. Februar datiert. Was dabei entstehen soll, ist nicht erklärt. Ob ein neues Logo, ein Slogan oder eine Kampagne gemeint ist und wer den Auftrag bekommen soll, steht nirgends. Im Formular der Vorlage ist bei „Finanzielle Belastungen“ übrigens „nein“ angekreuzt.

Die Größenordnung wird im selben Haushalt greifbar. Für Fräsarbeiten an Schlaglöchern sind 60.000 Euro vorgesehen, die 150.000 Euro für die Marke sind also das Zweieinhalbfache (150.000 : 60.000 = 2,5). Die Taxigutscheine für Frauen, die nachts zwischen 22 und 6 Uhr unterwegs sind, kosten 10.000 Euro. Das ist ein Fünfzehntel des Markenbetrags. Wer in einem Haushalt, der seine Rücklage aufzehrt, Schlaglöcher und Sicherheitsangebote klein rechnet, aber eine Imagepolitur großzügig ansetzt, setzt jedenfalls ein Zeichen.

Kritik

Eine Stadt, die ihr Eigenkapital aufzehrt und ihr Defizit nur mit nicht benannten Einsparungen auf 35,7 Mio. Euro drückt, sollte kein Geld in ein neues Markenbild stecken. Image entsteht aus funktionierenden Straßen, Sicherheit und Sauberkeit, nicht aus einem eigens bezahlten Prozess. Wenn Öffentlichkeitsarbeit besser werden soll, kann das die vorhandene Verwaltung mit ihrem bestehenden Personal leisten. Die 150.000 Euro hätten gestrichen oder wenigstens gesperrt werden müssen, bis Zweck, Nutzen und Auftragnehmer feststehen.

1004713: Haushaltssatzung 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 19. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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