20.510 Euro für Toilette auf leerem Markt
Auf dem Marktplatz Im Brömm in Gelsenkirchen kostete ein WC-Container doppelt so viel wie geplant, und nur drei Händler kommen
Was ist passiert?
Im Norden von Gelsenkirchen liegt der Marktplatz „Im Brömm“. Seit August 2021 beschäftigt seine Wiederbelebung die Bezirksvertretung Nord. Gelsendienste sollte die Infrastruktur schaffen, damit auf dem Platz wieder Markt- und Veranstaltungsformate stattfinden können. Im Maßnahmenplan waren dafür 10.000 Euro vorgesehen.
Umgesetzt wurde das Vorhaben 2022 und 2023, und es wurde deutlich teurer. Für die Installation eines WC-Containers fielen 2022 zunächst 1.926 Euro an. 2023 folgten die Installation samt Tiefbauarbeiten für 7.584 Euro und der Container selbst inklusive Anlieferung für 8.700 Euro. Hinzu kamen 2.300 Euro für den Wasseranschluss. Zusammen ergibt das 20.510 Euro, gut das Doppelte des Ansatzes. Die Verwaltung erklärt, die Installations- und Tiefbauarbeiten seien aufwendiger gewesen als im Vorfeld angenommen. Auffällig bleibt, dass allein das Aufstellen mit 9.510 Euro (1.926 plus 7.584) mehr kostete als der Container selbst mit 8.700 Euro.
Der Markt, für den das alles gedacht war, kam trotzdem nicht. Trotz intensiver Bemühungen von Gelsendienste ließ sich zunächst kein regelmäßiges Marktformat etablieren. Erst seit Anfang 2026 läuft eine viermonatige Testphase mit Markttagen jeweils mittwochs. Zuletzt waren dort ein Fischhändler, eine Anbieterin von Kartoffeln und Eiern und zeitweise ein Erdbeerhändler vertreten. Das sind drei Anbieter. Teilt man die 20.510 Euro durch diese drei, hat die Infrastruktur rechnerisch rund 6.840 Euro je Händler gekostet.
Die Verwaltung geht davon aus, dass sich die Nutzung bei günstiger Witterung stabilisiert. Eine abschließende Bewertung soll erst nach dem Ende der Testphase erfolgen.
Kritik
Hier wurde zuerst gebaut und erst danach geklärt, ob überhaupt Händler kommen. Die Toiletten standen bereit, bevor ein einziger regelmäßiger Marktbeschicker zugesagt hatte. Man hätte die Nachfrage mit einer Testphase prüfen sollen, bevor Steuergeld in feste Anlagen floss. Dass die Kosten dann auch noch auf das Doppelte stiegen, zeigt, wie wenig belastbar die ursprüngliche Planung war.
1006753: Anfrage des Bezirksverordneten Herrn Dieter Kutzborski: Revitalisierung Marktplatz „Im Brömm“ -, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 11. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.