Staatsbilanz

Stadt/Gelsenkirchen/Finanzrisiko

25,6 Millionen für Schrott-Häuser

Gelsenkirchen zahlte 25,6 Millionen Euro für den Kauf und Abriss verwahrloster Häuser, bei jedem dritten Kauf mehr, als das Haus wert war

Was ist passiert?

Gelsenkirchen führt ein Verdachtskataster für Problemimmobilien, in dem rund 500 Objekte stehen. Gemeint sind verwahrloste oder unangemessen genutzte Gebäude, die ihr Umfeld belasten und eine Gefahr für Sicherheit und Ordnung sein können. Um dagegen vorzugehen, kauft die Stadt solche Häuser auf. Das erledigen ihre Tochtergesellschaften SEG und ggw im Rahmen der Förderprogramme „Modellvorhaben Problemimmobilien“ und „Zukunftspartnerschaft Wohnen“.

Bis April 2026 kamen auf diesem Weg 99 Objekte zusammen. Die Kaufpreise summierten sich auf rund 19,7 Mio. Euro. Das sind im Schnitt etwa 199.000 Euro je Haus (19,7 Mio. Euro geteilt durch 99). Gemessen am Kataster befindet sich damit knapp jede fünfte Problemimmobilie in der Hand der städtischen Töchter (99 von rund 500).

Auffällig ist, wie bezahlt wurde. In 33 Fällen lag der Kaufpreis über dem Verkehrswert, bei einem Drittel der Käufe. Nur bei 66 Objekten blieb es beim Verkehrswert oder darunter. Was die Verwaltung über die bisherigen Eigentümer weiß, ist dabei bemerkenswert wenig: Strafrechtlich relevante Auffälligkeiten sind ihr nicht bekannt.

Mit dem Kauf ist es bei vielen Häusern nicht getan. 35 der angekauften Gebäude wurden bereits abgerissen. Die Rückbaukosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund 5,9 Mio. Euro, im Durchschnitt etwa 170.000 Euro je Haus (5,9 Mio. Euro geteilt durch 35). Das ist fast so viel, wie ein Haus im Schnitt beim Ankauf kostete (170.000 Euro im Vergleich zu 199.000 Euro, also rund 85 Prozent). Da noch nicht alle Rechnungen zwischen Stadt und Töchtern abgerechnet sind, kann der Betrag weiter steigen.

Kauf und Abriss zusammengenommen stehen damit schon mit rund 25,6 Mio. Euro in den Büchern (19,7 Mio. Euro plus 5,9 Mio. Euro), und das bei einer Bestandsaufnahme, die erst bei etwa einem Fünftel des Katasters angekommen ist.

Kritik

Wer verwahrloste Häuser über dem Verkehrswert kauft, belohnt Eigentümer, die ihre Objekte haben verfallen lassen. Bei einem Drittel der Käufe wurde so mehr Steuergeld gezahlt, als das Gebäude nach der Bewertung wert war. Hinzu kommen Abrisskosten von durchschnittlich 170.000 Euro, die den Ankauf zusätzlich verteuern. Statt Preise über dem Verkehrswert zu akzeptieren, hätte die Stadt Eigentümer stärker zur Instandsetzung oder zum Verkauf zu angemessenen Preisen drängen müssen.

1006596: Anfrage des Stadtverordneten Herrn Obernyer: Schrottimmobilien in Gelsenkirchen, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 21. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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