Cranger Straße: 4,5 Jahre Baustelle
In Gelsenkirchen lagen Leitungen anders als im Plan, deshalb kostet der Straßenbau die Stadt 2,74 statt 2,4 Millionen Euro
Was ist passiert?
Auf der Cranger Straße fährt die Straßenbahn, und unter dem Asphalt liegen Kanal, Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation. Weil all das erneuert werden sollte, bauen die Bogestra, Gelsenkanal, die Stadt und mehrere Versorger seit April 2022 gemeinsam im Abschnitt zwischen Erlestraße und Middelicher Straße. Die Auftragssumme für das Gesamtpaket beträgt 8.798.250,86 Euro brutto.
Doch der Untergrund hielt sich nicht an die Pläne. Die Kanalplanung stützte sich auf Bestandsdaten, aber die vorhandenen Leitungen lagen vor Ort anders. In mehreren Teilbereichen musste die Trasse des neuen Kanals neu geplant werden. Eine Hochdruckwasserleitung mit 600 Millimetern Durchmesser ließ sich zudem nicht wie vorgesehen umlegen. Also wurden zusätzlich Leitungen für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation erneuert und verlegt, die im ursprünglichen Ablauf nicht vorkamen. Die Verwaltung spricht von „unvorhergesehenen Planungsanpassungen“. Wie lang die Verzögerung insgesamt ist, nennt sie nicht.
Für die Stadt wurde es dabei teurer. Sie hatte Arbeiten für 2.398.411,80 Euro vergeben, inzwischen liegen die Kosten durch Nachträge bei rund 2.744.000 Euro. Die Nachträge summieren sich auf rund 345.500 Euro, das sind etwa 14 Prozent mehr als der Auftrag (345.500 : 2.398.412). Zwei Nachträge mit zusammen rund 79.500 Euro gehen auf gestiegene Preise für Baustoffe und Energie in den Jahren 2023 und 2024 zurück. Der größte Posten mit 266.000 Euro ist der zusätzliche Ausbau des gesamten Parkstreifens und Gehwegs Richtung Buer zwischen Immermannstraße und Gartmannshof. Das sind rund 77 Prozent aller Nachträge.
Fertig sein soll alles Ende des dritten Quartals 2026. Das wären vom Baubeginn im April 2022 an gerechnet 54 Monate. Bis dahin gilt zwischen Middelicher Straße und Gartmannshof eine Einbahnstraßenregelung Richtung Buer. Wer am Ende alle Mehrkosten trägt, ist offen. Die Verwaltung kann die Gesamtkosten „nur schwer verlässlich“ einschätzen, weil jeder Träger seine Leistungen getrennt abrechnet. Gemeinsame Kosten sollen zunächst zu je einem Drittel getragen und später teilweise auf die Versorger umgelegt werden.
Kritik
Eine Straße, unter der so viele Leitungen liegen, hätte nicht auf Bestandsdaten geplant werden dürfen, die sich vor Ort als falsch herausstellten. Wer vor dem Entwurf der Kanaltrasse die tatsächliche Lage der Leitungen prüft, spart Neuplanungen und Bauzeit. Jedes Jahr zusätzlicher Bauzeit kostet Anlieger und Verkehrsteilnehmer Nerven, und die Preissteigerungen der Jahre 2023 und 2024 zeigen, was eine lange Baustelle zusätzlich kostet. Den Parkstreifen für 266.000 Euro hätte die Stadt von Beginn an einplanen müssen, statt ihn nachträglich draufzusatteln.
1003055: Anfrage des Bezirksverordneten Herrn Dr. Kirchhoff - Kanal- und Straßenbaulage Cranger Straße -, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 26. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.