Kita-Neubau für 11,5 Millionen Euro
In Gelsenkirchen wird eine Kita mit Wasserschäden abgerissen, der Ersatz für 130 Kinder kostet 11,5 Mio. Euro, rund 88.500 Euro pro Platz
Was ist passiert?
Im Stadtteil Feldmark steht an der Küppersbuschstraße eine Kindertagesstätte mit sechs Gruppen, eingebettet zwischen einer Bahntrasse und verkehrsberuhigten Straßen. Seit August 2023 darf dort kein Kind mehr betreut werden. Die Stadt nennt als Grund massive Wasserschäden und grundlegende Planungsfehler, unter anderem beim Wärmeschutz. Das Gebäude gilt als nicht mehr nutzbar und soll vollständig zurückgebaut werden.
An seine Stelle soll ein zweigeschossiger Neubau für bis zu 130 Kinder treten, diesmal mit sieben Gruppen. Vorgesehen sind eine Holz-Beton-Hybridbauweise, begrünte Dächer, Photovoltaik und ein Aufzug. Angestrebt wird zudem eine Zertifizierung nach DGNB-Gold. Das Gebäude soll sich später auch als Familienzentrum, Seniorenwohnen oder Bildungsstätte nutzen lassen. Ob es dafür je einen Bedarf geben wird, bleibt offen.
Die Gesamtkosten schätzt die Stadt auf rund 11,5 Mio. Euro. Ein Zuschuss von rund 1,95 Mio. Euro ist in Aussicht, wenn die Förderrichtlinien eingehalten werden. Bleiben 9,55 Mio. Euro, die die Stadt selbst trägt. Umgerechnet auf die 130 Plätze kostet jeder Platz rund 88.500 Euro (11,5 Mio. Euro geteilt durch 130). Hinzu kommt der Restbuchwert des Altbaus von rund 1,04 Mio. Euro, der abgeschrieben wird. Dazu fallen jährliche Folgekosten von rund 570.000 Euro an, das sind etwa 4.400 Euro je Kind und Jahr.
Bis die Kinder wieder einziehen können, dauert es lange. Planung und Bau sollen bis zu 36 Monate in Anspruch nehmen, in Betrieb gehen soll die Kita spätestens Mitte 2029. Zwischen dem Ausfall und der Wiedereröffnung lägen dann fast sechs Jahre. Eine Übergangslösung hält die Verwaltung nach eigener Aussage für nicht erforderlich.
Kritik
Ein Gebäude, das wegen Planungsfehlern nach wenigen Jahren abgerissen werden muss, ist teuer und hätte mit sorgfältiger Planung und Bauüberwachung vermieden werden können. Nun zahlen die Gelsenkirchener Steuerzahler den Abriss, den Restwert des Altbaus und einen Neubau, der mit Zertifizierung und Hybridbauweise hohe Ansprüche stellt. Bei knapp 88.500 Euro je Betreuungsplatz hätte die Stadt kritisch prüfen müssen, ob jeder Zusatz nötig ist. Wer Fehler beim Bau verursacht, muss dafür auch einstehen, damit solche Kosten nicht allein bei der Allgemeinheit landen.
1003803: Neuerrichtung Kita Küppersbuschstraße, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 25. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.