Staatsbilanz

Stadt/Gelsenkirchen/Kostensteigerung

Schulküche kostet 189.000 statt 73.000 Euro

Die Lehrküche einer Hauptschule in Gelsenkirchen kostet 116.000 Euro mehr als beschlossen, weil in den Wänden Asbest steckt, den die Stadt früh vermutete

Was ist passiert?

Am Teilstandort Steeler Straße 20 der Hauptschule Am Dahlbusch gibt es eine Lehrküche, in der die Schülerinnen und Schüler das Kochen lernen. Sie sollte saniert und neu ausgestattet werden. Im April 2024 beschloss die Bezirksvertretung Gelsenkirchen-Süd das Vorhaben und legte dafür Schätzkosten von 73.000 Euro zugrunde.

Die Zahl war da bereits ein paar Jahre alt: Sie stammte aus einer Kostenermittlung des Jahres 2022. Dabei hatte die Stadt schon 2019 und 2022 Schadstoffgutachten in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse weckten Verdacht auf asbesthaltige Putze und Spachtelmassen, der genauer untersucht werden sollte. Erst im März 2025 wurden Wände, Decken und Böden gezielt begutachtet. Das Ergebnis: Asbest in Anstrich und Putz.

Die Folge steht in einer Kostentabelle. Die Gesamtkosten werden nun auf rund 189.000 Euro prognostiziert (brutto 188.031,30 Euro). Das sind 116.000 Euro mehr als beschlossen (189.000 minus 73.000) und etwa das 2,6-Fache. Allein die neue Position „Sanierungsarbeiten“ schlägt mit 40.000 Euro netto zu Buche, dazu kommen 2.000 Euro für den Schadstoffgutachter. Die Putzarbeiten stiegen von 890,60 Euro auf 10.000 Euro, also auf mehr als das Elffache. Auch Heizung (10.000 Euro) und Tischlerarbeiten (11.000 Euro) tauchen in der neuen Aufstellung als eigene Posten auf, in der alten gab es sie nicht.

Die Stadt hält die Maßnahmen für „notwendig und unverzichtbar“, um den Schulbetrieb zu sichern und den Standort attraktiv zu halten. Das ist als Begründung für eine Sanierung nachvollziehbar, erklärt die Preisentwicklung aber nicht. Weil die Kostensteigerung die Wesentlichkeitsgrenze von 50.000 Euro überschritt, musste die Verwaltung berichten. Die Schadstoffsanierung und der Umbau sollen in den Sommerferien 2026 beginnen und bis Oktober 2026 abgeschlossen sein, einen weitgehend ungestörten Bauablauf vorausgesetzt.

Kritik

Wer weiß, dass es seit 2019 Schadstoffgutachten mit Asbestverdacht gibt, darf einen Beschluss nicht auf eine Kostenschätzung von 2022 stützen. Der Verdacht hätte vor der Entscheidung geklärt und die Kosten entsprechend angesetzt werden müssen. So wurde der Politik ein Preis genannt, der nicht einmal die Hälfte der später erwarteten Summe abdeckte. Bei Sanierungen in älteren Schulgebäuden gehören Schadstoffuntersuchung und belastbare Kostenermittlung an den Anfang, nicht hinter den Beschluss.

1001875: Berichtspflicht gemäß § 25 Abs. 1 Nr. 2 KomHVO zu der Beschlussvorlage (Drucksache-Nr. 20-25/6009) Hauptschule Am Dahlbusch, Teilstandort Steeler Str. 20 Sanierung und Neuausstattung der Lehrküche - Mehrkosten der baulichen Maßnahmen -, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 13. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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