Schulneubau: 21 statt 1,85 Millionen Euro
Für die Gesamtschule Erle in Gelsenkirchen sind jetzt 21 Millionen statt beschlossener 1,85 Millionen Euro angesetzt, gebaut wird nichts
Was ist passiert?
Gelsenkirchen (NW). Die Gesamtschule Erle an der Mühlbachstraße ist eine städtische Ganztagsschule für die Sekundarstufen I und II. Für sie ist ein Neubau samt Stadtteilbibliothek vorgesehen.
Beschlossen wurde das Vorhaben mit Plankosten von 1,85 Mio. Euro (Beschluss 14-20/6163), als Baubeginn war April 2020 vorgesehen. Im halbjährlichen Bericht an den Bildungsausschuss, Sachstand 3. Februar 2026, steht nun ein Betrag von 21.038.866 Euro. Das ist mehr als das Elffache (21.038.866 geteilt durch 1.850.000 ergibt rund 11,4), der Unterschied beträgt knapp 19,2 Mio. Euro. Zum Vergleich: Der Ersatzneubau der Mährfeldschule in Gelsenkirchen sollte nach Beschluss 19 Mio. Euro kosten und ist baulich abgeschlossen. Für die Gesamtschule Erle liegen die Plankosten über diesem Betrag, obwohl nicht einmal ein Baubeginn feststeht.
In den Spalten für Baubeginn und Fertigstellung steht „keine Angabe“. Rund sechs Jahre nach dem ursprünglich geplanten Start ist das Projekt also weder begonnen noch terminiert. Die Verwaltung führt dafür keine technischen oder rechtlichen Gründe an. Es heißt lediglich, die zu hohe Aufgabendichte verhindere die Wiederbesetzung und Fortführung der Maßnahme. Man will die Planung „entsprechend der Aufgabendichte“ möglichst noch 2026 wieder aufnehmen. Eine feste Zusage ist das nicht, sondern ein Vorbehalt.
Am selben Standort ruht zudem eine kleinere Maßnahme. Die Teilsanierung der Trinkwasserinstallation (500.000 Euro) wird derzeit pausiert und soll voraussichtlich im vierten Quartal 2026 weitergeführt werden. Zuvor war bei geöffneten Decken ein höherer Aufwand wegen vorgefundener Brandlasten und Schadstoffe festgestellt worden.
Kritik
Ein Schulneubau, dessen Plankosten sich gegenüber dem Beschluss mehr als verelffacht haben, darf nicht allein daran hängen, ob eine Stelle besetzt wird. Wer ein Vorhaben dieser Größe beschließt, muss auch die Personalkapazität für die Bearbeitung sichern. Vor einer Wiederaufnahme gehört das Projekt mit einer klaren Kostenbasis und einem festen Zeitplan erneut in die politische Entscheidung. Jedes weitere Jahr Stillstand macht ein Vorhaben, das ohnehin schon das Vielfache des beschlossenen Betrags kostet, noch teurer und lässt die Schule länger auf den Ersatz warten.
1004095: Halbjährlicher Bericht zum Umsetzungsstand im Bereich der Schulneubauten und Schulsanierungen für den Ausschuss für Bildung, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 12. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.