Staatsbilanz

Stadt/Gelsenkirchen/Kostensteigerung

Von 9,9 auf 21 Millionen für Schalke-Nord

In Gelsenkirchen soll der Umbau des Viertels statt 9,9 nun 21 Millionen Euro kosten, davon 7,5 Millionen für eine Kirche ohne feste Nutzung

Was ist passiert?

Schalke-Nord ist ein Programmgebiet der Städtebauförderung, in dem die Stadt Gelsenkirchen Wohnumfeld, Straßen und Gemeinbedarf aufwerten will. Im Juni 2025 beschloss der Rat dafür ein Entwicklungskonzept mit Kosten von 9,865 Mio. Euro. Das war kein Zufall: Die neue Förderrichtlinie setzt für Gesamtmaßnahmen grundsätzlich eine Obergrenze von 10 Mio. Euro, und man hatte sie so weit ausgereizt wie möglich. Teure Hochbauten wie das geplante Haus der Vereine blieben deshalb bewusst draußen.

Das hielt nicht lange. Nach einer Vereinbarung mit der Landesbauministerin vom Dezember 2025, die auch ein Engagement des FC Schalke 04 einschließt, wurde das Konzept neu gefasst. Es soll nun 21,05 Mio. Euro kosten, also 11,185 Mio. Euro mehr (21,05 minus 9,865). Größter Posten ist die außer Dienst gestellte Kirche St. Joseph: 140.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie, 7,5 Mio. Euro für Planung und Umbau. Allein die Kirche entspricht damit gut drei Vierteln (7,5 geteilt durch 9,865, rund 76 Prozent) des gesamten früheren Konzepts. Was dort einziehen soll, steht nicht fest. Genannt wird „ein Ort für Begegnung und Bewegung“, der erst noch zu qualifizieren sei. Nutzung und Trägerschaft soll die Studie klären, die Bauarbeiten sind für 2028 bis 2030 vorgesehen. Frühere Anläufe, die Kirche neu zu beleben, waren gescheitert.

Hinzu kommt das Haus der Vereine mit 102.000 Euro für die Studie und 2,75 Mio. Euro für den Bau. Die Stadt begründet das damit, dass eine reine Studie nicht förderfähig sei. Wegen des engen Zeitrahmens wurde die Suche zudem auf einen Standort verkürzt, statt wie geplant zwei bis drei zu prüfen.

Die Förderquote soll 70 Prozent betragen, es bleiben rund 6,3 Mio. Euro Eigenanteil (30 Prozent von 21,05 Mio.). Zwei Drittel davon sollen beteiligte Akteure tragen, die bislang nicht benannt sind. Ein Förderbescheid fehlt, der Förderaufruf des Landes war bis Mitte April nicht ergangen. Der Ratsbeschluss steht unter dem Vorbehalt, dass die Stadt den Eigenanteil dann auch stemmen kann.

Kritik

Ein Konzept zu verdoppeln, bevor feststeht, wer die Gebäude nutzt und betreibt, stellt die Reihenfolge auf den Kopf. Erst Bedarf und Träger klären, dann Summen festlegen: So hätte die Studie vor dem 7,5-Millionen-Posten stehen müssen. Dass Förderfristen und die 10-Millionen-Grenze die Planung bestimmen, ist kein Argument, sondern Teil des Problems, denn der Standort für das Haus der Vereine wurde aus Zeitnot verengt. Wenn die erhofften Geldgeber am Ende nicht zahlen, bleibt die Rechnung bei der Stadt und damit bei den Steuerzahlern.

1006664: Beschluss der Änderungen des Integrierten Entwicklungskonzeptes (IEK) 2.1 für Schalke-Nord, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 9. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Gelsenkirchen

  1. 01.10.2026Gelsenkirchen Gelsenkirchens Stadtkasse: 69 Millionen Minus 69,3 Mio. € Die Stadt plante 35,7 Millionen Euro Defizit, nun sind es 69,3 Millionen, weil ein eingeplanter Sparbetrag von 24 Millionen Euro ausbleibt
  2. 15.09.2026Gelsenkirchen 2,7 Millionen Euro für Beratung ohne Beschluss 2,72 Mio. € Gelsenkirchen zahlte 2024 und 2025 rund 2,72 Millionen Euro an Verbände für Beratung von Zuwanderern, ohne dass ein Ausschuss zustimmte
  3. 09.07.2026Gelsenkirchen Umkleide für 4,9 statt 3,3 Millionen Euro 4,9275 Mio. € In Gelsenkirchen wird das Umkleidehaus am Sportplatz 1,66 Mio. Euro teurer, doch Fördergeld steigt nur um 190.410 Euro, den Rest zahlt die Stadt

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz