Wasseranlage im Nordsternpark 1,5 Mio. teurer
Gelsenkirchen plant für die Gartenschau 2027 ein Wasserbecken für 3,2 statt 1,73 Millionen Euro, weil die Planung nicht baubar war
Was ist passiert?
Im Nordsternpark soll 2027 die Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr stattfinden. Die Stadt baut dafür Gebäude, Stege, Spielflächen und Wasseranlagen. Zu Letzteren gehört das „Grün-Blaue Band“, eine Anlage mit Becken und Wassertechnik, die den Besuchern vor allem eines bieten soll: sauber geplantes Wasser.
Ganz so sauber war die Planung allerdings nicht. Im Haushaltsplan 2026 standen für das Grün-Blaue Band 1.733.515 Euro. Nach der Schätzung des Projektsteuerers vom April 2026 sind es nun bis zu 3,2 Mio. Euro. Das sind rund 1,47 Mio. Euro mehr (3.200.000 minus 1.733.515 = 1.466.485 Euro), ein Anstieg um 85 Prozent. Den Grund nennt die Stadt selbst: „grundlegende Planungsdefizite“. Ein beauftragter Fachgutachter hatte die Planung der Wassertechnik geprüft und als nicht ausreichend, ja nicht ausführungsfähig bewertet.
Die Konsequenz: Die Firma, die bereits mit dem Bau beauftragt war, bekam zusätzlich Planungsleistungen übertragen und stellte dafür ein Nachtragsleistungsverzeichnis auf. Auch die Beckenkonstruktion musste grundlegend überarbeitet werden. Hinzu kamen erhebliche Mehrmengen, vor allem bei den Erdarbeiten.
Das Grün-Blaue Band ist kein Randposten. Die Gesamtkosten der IGA steigen laut Vorlage von 56.285.841 auf 59.225.215 Euro, also um 2.939.374 Euro oder gut 5 Prozent. Allein das Grün-Blaue Band macht davon rund die Hälfte aus (1.466.485 : 2.939.374 ≈ 0,5).
Ein Teil der Rechnung wurde zudem an anderer Stelle beglichen: Am Wendebecken ließen umfassende Umplanungen die Kosten so weit steigen, dass die Teilmaßnahme „Schwimmsteg“ als Ausgleich gestrichen wurde. Die Mehrkosten sollen größtenteils 2027 anfallen und sind laut Stadt im Haushalt 2027 berücksichtigt.
Kritik
Wer ein Wasserbecken mit Technik baut, muss vor der Vergabe wissen, ob die Planung trägt. Dass ein Gutachter die Wassertechnik erst prüfte, als schon eine Baufirma beauftragt war, ist die teure Reihenfolge. Die Prüfung hätte vor der Ausschreibung stattfinden müssen, dann wäre aus dem Nachtrag keine Hälfte der gesamten Kostensteigerung geworden. Dass am Ende ein Schwimmsteg gestrichen wird, um Umplanungskosten zu decken, zeigt, wer die Zeche zahlt: die Besucher, die weniger bekommen, und die Steuerzahler, die mehr bezahlen.
1007131: Internationale Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 Überschreitung der Wesentlichkeitsgrenze gemäß § 25 KomHVO NRW in Verbindung mit § 13 der Haushaltssatzung der Stadt Gelsenkirchen, Ratsinformationssystem der Stadt Gelsenkirchen, 9. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.