Staatsbilanz

Stadt/Halle (Saale)/Fördergeld-Mitnahme

1,73 Millionen Euro für Brunnen in Halle

Auf dem Marktplatz in Halle soll ein kleiner Brunnen für 1,73 Millionen Euro umgebaut werden, gut dreimal so viel wie ein ganzer Bolzplatz

Was ist passiert?

Der Marktplatz in der Altstadt ist eine weite Fläche, die mit dunkelgrauem Granitpflaster befestigt ist. Im Südwesten steht dort bereits eine Brunnenanlage, die die Stadt selbst als klein und wenig raumwirksam beschreibt. Genau diese Anlage soll zu einem barrierefreien, lebendigen Wasserspiel umgebaut werden.

Die Begründung der Verwaltung lautet, der Granit heize die Umgebung stark auf und fördere Wärmeinseln. Für Grün fehle der Platz, weil ein enges unterirdisches Versorgungsnetz es verhindere. Das Grün- und Freiraumkonzept der Altstadt wolle Abkühlung durch Brunnenanlagen erreichen. Außerdem entstehe ein neues Kinderspielangebot für die in dieser Hinsicht schwach versorgte Altstadt. Das klingt nach einem Bündel guter Absichten, bleibt aber eine Behauptung, die die Vorlage mit keiner Zahl zur Kühlwirkung belegt.

Die Rechnung dafür beträgt 1.729.200 Euro. Davon sollen 1.152.800 Euro aus der Städtebauförderung kommen, das sind 66,7 Prozent. 576.400 Euro trägt die Stadt Halle. Das Geld soll zwischen 2027 und 2031 fließen, der größte Posten mit 935.100 Euro im letzten Jahr. Der Stadtrat soll am 30. September 2026 nur darüber entscheiden, die Maßnahme in den Förderantrag aufzunehmen. Über Bewilligung und Bau ist damit noch nichts gesagt.

Was das bedeutet, zeigt ein Blick in dieselbe Vorlage. Für den Bolzplatz Anhalter Platz in der Silberhöhe sind 550.100 Euro angesetzt. Dafür sollen Wege und Platzflächen saniert, Tischtennis- und Teqballplatten sowie ein Calisthenics-Parcours aufgestellt, Sitzelemente eingebaut und Bäume gepflanzt werden. Der Brunnen kostet das gut Dreifache (1.729.200 : 550.100 = 3,1). Allein der städtische Eigenanteil von 576.400 Euro liegt über den gesamten Kosten dieses Bolzplatzes.

Kritik

Knapp 1,73 Mio. Euro für den Umbau einer Anlage, die die Stadt selbst als klein und wenig raumwirksam bezeichnet, stehen in keinem Verhältnis zum erwartbaren Nutzen. Dass Wasser auf einem Granitplatz kühlt, mag stimmen, rechtfertigt aber keine Summe, für die man mehrere komplett erneuerte Quartiersplätze bekäme. Auch Fördermittel sind Steuergeld, und die Stadt zahlt trotzdem noch 576.400 Euro dazu. Die Planung hätte auf eine deutlich schlankere Lösung zielen müssen, die Kühlung und Kinderspiel zu einem Bruchteil der Kosten bietet.

VIII/2026/02918: Antragstellung Städtebaufördermittel - Programmjahr 2027, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 8. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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