Halle: Radstreifen fast dreimal so teuer
In Halles Kaiserslauterer Straße sollen Radstreifen statt 491.100 nun 1.403.850 Euro kosten, weil die ganze kaputte Straße neu gebaut wird
Was ist passiert?
Der Saaleradweg ist ein überregionaler Fernradweg und führt auf rund 25 Kilometern durch das Stadtgebiet von Halle. In der Kaiserslauterer Straße fahren Radfahrende bisher auf der normalen Fahrbahn, teils über Asphalt, teils über Kopfsteinpflaster. Das soll mit Fördergeld aus der Gemeinschaftsaufgabe zur regionalen Wirtschaftsstruktur besser werden. Die Förderquote liegt bei rund 88 Prozent.
Der Stadtrat beschloss dafür im Dezember 2019 Gesamtkosten von 491.100 Euro. Auf 342 Metern Asphalt sollten lediglich Schutzstreifen markiert werden. Auf 441 Metern Pflaster sollten zwei Asphaltstreifen entstehen, die Pflasterfahrbahn dazwischen sollte bleiben. Nun soll der Stadtrat über 1.403.850 Euro entscheiden. Das ist das 2,9-Fache (1.403.850 geteilt durch 491.100).
Die Begründung: Frost und Rissbildung hätten die Fahrbahn „extrem verschlechtert“. Ohne neue Decke übernehme keine Baufirma die Gewähr für die Markierung. Im Pflasterabschnitt sei ein Eingriff am Rand nicht verantwortbar, weil sonst die Standsicherheit der übrigen Fahrbahn leide. Deshalb soll die gesamte Fahrbahn mit 34 Zentimetern Asphaltaufbau neu entstehen, auch wegen der Buslinie 30. Die Stadt setzt dafür 895.000 Euro an, das sind rund 1.140 Euro je Meter (895.000 geteilt durch 783 Meter). Die Fahrbahn macht damit 64 Prozent der neuen Gesamtsumme aus. Die genannten Einzelposten von 600.000 Euro für den Bau und 195.000 Euro für die Planung ergeben allerdings nur 795.000 Euro. Die Planung kostet damit 32,5 Prozent der Baukosten (195.000 geteilt durch 600.000).
Die Stadt wertet die Zusatzarbeiten als Sparmaßnahme: Borde und Anpassungen entfielen, der Baupreisanstieg von 102,6 auf 142,9 Indexpunkte (rund 39 Prozent) werde dadurch ausgeglichen. In den Zahlen sinken die Baukosten der Radwegmaßnahme jedoch nur um 1.000 Euro auf 437.000 Euro, während die Planungskosten von 53.100 auf 71.850 Euro steigen. Die jährlichen Folgekosten sollen um rund 3.850 Euro wachsen.
Kritik
Wenn eine Straße so schlecht ist, dass sie ohnehin erneuert werden muss, ist das aufgeschobene Straßenunterhaltung und kein Teil eines Radwegprojekts. Sie gehört offen als eigene Sanierung ausgewiesen und nicht in ein Tourismus-Förderpaket gepackt, das aus 491.100 Euro nun fast 1,4 Mio. Euro macht. Planungskosten von 32,5 Prozent der Baukosten sind für eine Fahrbahnerneuerung in vorhandener Trasse kaum zu rechtfertigen. Und von „Einsparungen“ zu sprechen, wenn die Gesamtkosten um mehr als 900.000 Euro steigen, überzeugt nicht.
VIII/2026/02914: Änderung/Ergänzung Baubeschluss VII/2019/00349 GRW-Maßnahme Saaleradwanderweg Kaiserslauterer Straße Ausbau der Fahrbahn und Deckensanierung Kaiserslauterer Straße im Bereich der GRW-Maßnahme, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 13. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.