99.000 Euro für Heizungen ohne Nutzen
Halle an der Saale baute 2023 zwei Heizungen für 99.175 Euro ein: eine am abgegebenen Sportplatz, eine in einer Kita, die sie nicht nutzt
Was ist passiert?
Halle an der Saale betreibt über den Fachbereich Immobilien gemeinsam mit den Stadtwerken das Projekt „Warmes Gebäude“. Dabei werden alte Wärmeerzeugungsanlagen städtischer Gebäude von Schulen über Kitas bis zu Friedhöfen erneuert. Das Ziel: effizientere Anlagen, schnellere Erneuerung und weniger Wärmeverbrauch. Seit 2022 sind 42 Anlagen erneuert worden, 14 weitere folgen 2026. Nach dem Energiebericht 2026 summieren sich die Investitionen der bereits erneuerten Anlagen auf rund 2,26 Mio. Euro.
Bei zwei Posten stimmt die Rechnung allerdings nicht. Am Sportplatz Rotation in der Geschwister-Scholl-Straße ersetzte die Stadt 2023 eine Gasheizung von 2005 durch eine neue mit 31 Kilowatt Leistung. Kosten: 59.705,68 Euro. Seit dem 1. April 2025 gehört der Sportplatz nicht mehr der Stadt, der Bericht vermerkt das nüchtern in der Bemerkungsspalte. Zwischen Einbau und Abgabe lagen höchstens 27 Monate. Je Monat hat die Stadt also mindestens rund 2.200 Euro in die Anlage gesteckt (59.705,68 Euro geteilt durch 27), die sie nun nicht mehr nutzt.
In der Kita Am Hasenberg wechselte die Stadt 2023 von Gas auf Fernwärme. Die neue Anlage mit 100 Kilowatt kostete 39.469,26 Euro. Doch die Fernwärme-Hausstation ist nicht in Betrieb, und so läuft weiterhin der alte Gaskessel. Die Investition liefert damit bislang keine Wärme.
Zusammen binden die beiden Fälle 99.174,94 Euro. Hinzu kommt die Erneuerung der Heizung im „Leerstand, Stadtgärtnerei“ am Galgenberg für 92.580,06 Euro. Alle drei Posten ergeben 191.755 Euro, etwa 8,5 Prozent der Gesamtsumme von 2.255.775,91 Euro. Der Bericht führt die Maßnahmen als Teil der planmäßigen Anlagenerneuerung auf. Eine Erklärung, warum eine Heizung für ein später abgegebenes Objekt oder eine nicht angeschlossene Kita-Anlage nötig war, enthält er nicht.
Kritik
Wer eine Heizung für knapp 60.000 Euro einbaut, muss wissen, dass das Gebäude oder der Platz der Stadt auch künftig gehört. Eine Heizung, die nie Wärme liefert, ist verlorenes Geld, wenn der alte Kessel einfach weiterläuft. Vor dem Austausch hätte die Stadt klären müssen, ob die Fernwärme-Hausstation angeschlossen und betriebsbereit ist. Bei Objekten ohne gesicherte Zukunft wie Leerstand oder Abgabekandidaten gilt: erst die Nutzung klären, dann investieren.
VIII/2026/03088: Energiebericht 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 15. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.