Staatsbilanz

Stadt/Halle (Saale)/Imagepflege

33.000 Euro für zwei Weinfeste in Halle

Halle (Saale) zahlte 32.927 Euro für zwei Weinfeste auf dem Markt, obwohl das Land Sachsen-Anhalt Ausgaben für Veranstaltungen gesperrt hatte

Was ist passiert?

Halle (Saale) steht unter Haushaltskonsolidierung. Das Land verbietet den Kommunen in dieser Zeit, neue freiwillige Leistungen zu übernehmen. Dennoch will der Oberbürgermeister den Marktplatz stärker beleben, und das hat seinen Preis: ein Weinfest, das zweimal im Jahr stattfinden soll.

Die erste Auflage gab es im Oktober 2025. Die Stadt bezahlte dafür 11.886 Euro, nahm aber nur 1.800 Euro ein. Zusätzlich fielen bei der Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH 10.574 Euro an, denen Erträge von 557 Euro gegenüberstanden. Im Juni 2026 folgte „In Händel veritas“. Die Rechnung der Stadt lag dafür bereits bei 21.041 Euro, abgerechnet ist das Fest noch nicht. Zusammen kosteten die beiden Feste die Stadt damit 32.927 Euro (11.886 + 21.041). Im Oktober 2026 soll die dritte Auflage folgen.

Gleichzeitig hatte das Landesverwaltungsamt eine Haushaltssperre angeordnet. Sie sperrte rund 19.000 Euro für städtische Veranstaltungen und senkte das verfügbare Budget um etwa 17 Prozent auf rund 92.000 Euro. Allein das Juni-Fest war also teurer als der gesamte gesperrte Betrag. Der Oberbürgermeister erklärte im Ausschuss, die Feste würden sich zumindest anfangs nicht selbst tragen. Er spricht von einer „Investition“.

Die Verwaltung weist auf Nachfrage zurück, dass es sich um neue freiwillige Leistungen handele. Die Veranstaltungen seien schon in den Vorjahren regelmäßig durchgeführt worden. Das klingt kühn für ein Fest, dessen erste Auflage im Oktober 2025 stattfand. Den Mehrwert für den Haushalt sieht die Verwaltung etwa in der Übernachtungssteuer, beziffert ihn aber nicht. Außerdem soll künftig jedes Jahr eine weitere Marktplatz-Veranstaltung hinzukommen. Dafür veranschlagt die Verwaltung 5.000 bis 10.000 Euro. Das Juni-Fest kostete die Stadt gut das Doppelte bis das Vierfache davon (21.041 geteilt durch 10.000 und durch 5.000). Ein Termin im September, das „Holländische Dorf“, wurde auf 2027 verschoben.

Kritik

Wer im Konsolidierungsverfahren steckt und Ausgaben für Veranstaltungen sperren muss, kann nicht gleichzeitig mit einem Zuschussgeschäft nach dem anderen den Marktplatz bespielen. Dass die Feste ihre Kosten nicht decken sollen, ist kein Konzept, sondern ein Eingeständnis. Die Behauptung, es handle sich um längst bestehende Leistungen, überzeugt bei einem Fest, das erst im Oktober 2025 begann, nicht. Die Stadt hätte vor jeder weiteren Auflage einen festen Kostenrahmen und einen belegbaren Nutzen festlegen müssen, bevor sie neue Termine in den Kalender schreibt.

VIII/2026/02976: Anfrage der Fraktion Volt / MitBürger zu den Kosten zusätzlicher Veranstaltungen auf dem Marktplatz, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 26. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Halle (Saale)

  1. 20.10.2026Halle (Saale)Ausgabe mit Nachfrage 1,2 Millionen Euro für einen Platz in Halle 1.233.200 € Der Bund soll 1,23 Millionen Euro für den Umbau des August-Bebel-Platzes in Halle zahlen, fast viermal so viel wie für Schultoiletten
  2. 15.10.2026Halle (Saale) 99.000 Euro für Heizungen ohne Nutzen 99.175 € Halle an der Saale baute 2023 zwei Heizungen für 99.175 Euro ein: eine am abgegebenen Sportplatz, eine in einer Kita, die sie nicht nutzt
  3. 13.10.2026Halle (Saale) Halle: Radstreifen fast dreimal so teuer 1.403.850 € In Halles Kaiserslauterer Straße sollen Radstreifen statt 491.100 nun 1.403.850 Euro kosten, weil die ganze kaputte Straße neu gebaut wird

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz