Halle: 1,65 Millionen für 1,2 km Radweg
In Halle soll ein gemeinsamer Fuß- und Radweg an der Regensburger Straße 1,65 statt 1,01 Millionen Euro kosten, 63 Prozent mehr
Was ist passiert?
Der Elsterradweg zieht sich von der tschechischen Grenze rund 250 Kilometer bis zur Saale und endet in Halle. Im Stadtgebiet ist er etwa 7 Kilometer lang und führt fast nur an Straßen entlang, oft ohne eigene Spur und in schlechtem Zustand. In Osendorf weicht er derzeit auf Nebenstraßen mit Kopfsteinpflaster aus. Deshalb soll er auf etwa 1.230 Metern an die Regensburger Straße verlegt werden, auf eine kürzere Asphaltstrecke. Ein klassischer Radweg wird das nicht: Mangels Platz entsteht überwiegend ein drei Meter breiter „Gehweg, Radfahrer frei“, den sich Fußgänger und Radler teilen.
Im Dezember 2019 beschloss der Stadtrat dafür Gesamtkosten von 1,01 Mio. Euro. Jetzt soll er den Beschluss ändern, denn die Rechnung lautet nun auf 1.650.800 Euro, also 640.800 Euro oder 63 Prozent mehr. Allein die Baukosten stiegen von 901.000 auf 1.502.600 Euro (1.428.000 Euro für den Radweg plus 74.600 Euro für zwei Bushaltestellen). Je Meter Strecke sind das knapp 1.340 Euro statt der einst eingeplanten rund 820 Euro (1.650.800 / 1.230 und 1.010.000 / 1.230).
Die Verwaltung führt Corona, den Ukrainekrieg und wirtschaftliche Krisen an. Als Beleg dient der Baupreisindex für Straßen, der von 102,6 (IV. Quartal 2021) auf 142,9 (I. Quartal 2026) stieg, also um 39 Prozent. Wendet man diesen Wert auf die 901.000 Euro an, kämen etwa 1.255.000 Euro heraus. Es bleiben rund 248.000 Euro, die der Index nicht erklärt. Hinzu kommt, dass die Planung neu vergeben werden musste, weil das ursprüngliche Büro nicht mehr zur Verfügung stand. Die Planungskosten stiegen von 109.000 auf 148.200 Euro.
Die Förderung von rund 88 Prozent aus der Gemeinschaftsaufgabe Wirtschaftsstruktur läuft bis Ende 2028. Die Bushaltestellen sind nicht förderfähig. Laut Finanzplan sind rund 1,37 Mio. Euro Einzahlungen eingeplant, bei der Stadt bleiben damit etwa 281.000 Euro (1.570.200 minus 1.369.400 plus 80.600). Jährlich kommen 3.100 Euro Folgekosten dazu. Die Stadt warnt, bei einem Nein sei das gesamte Förderpaket von etwa 32 Mio. Euro gefährdet. Der Stadtrat soll am 28. Oktober 2026 entscheiden.
Kritik
Fast 1.340 Euro je Meter für einen drei Meter breiten Asphaltstreifen, den sich Fußgänger und Radfahrer teilen, sind ein hoher Preis für ein vergleichsweise schlichtes Bauwerk. Dass rund 250.000 Euro der Mehrkosten selbst mit dem Preisindex nicht zu erklären sind, spricht für eine zu optimistische Ausgangsplanung. Fördergeld ist ebenfalls Steuergeld, und ein hoher Fördersatz darf kein Grund sein, Mehrkosten ohne Prüfung durchzuwinken. Bei einem Kostensprung dieser Größe hätten Umfang und Ausstattung der Trasse erneut auf den Prüfstand gehört, statt nur die Summe fortzuschreiben.
VIII/2026/02734: Änderung des Baubeschlusses VII/2019/00348 GRW-Maßnahme Elsterradweg Regensburger Straße, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 13. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.