Staatsbilanz

Stadt/Halle (Saale)/Fördergeld-Mitnahme

Halle: 123.746 Euro für Vereinswerkstatt

Halle gibt einem Verein mit 128 Mitgliedern 123.746 Euro für eine Werkstatt, fast zwei Drittel der Sportförderung, Sanierungen bleiben liegen

Was ist passiert?

Wie jedes Jahr verteilt die Stadt Halle Zuschüsse an Sportvereine, die auf städtischen, langfristig überlassenen Anlagen bauen. Für Investitionen stehen 2026 insgesamt 200.000 Euro bereit. Weil die Stadt unter Haushaltskonsolidierungszwang steht, sollen nur 6 von 10 beantragten Maßnahmen bezuschusst werden. Die Beschlussvorlage für den Sportausschuss vom 10. Juni 2026 empfiehlt drei Investitionen.

Zwei davon sind überschaubar: eine Deckenverkleidung für das Vereinshaus der Inline-Skater (5.272,89 Euro) und eine automatische Beregnungsanlage für den Fußballplatz des SV Dautzsch 63 (8.546 Euro). Zusammen kommen sie auf 13.818,89 Euro. Den Löwenanteil soll der 1. Motoballclub 70/90 Halle erhalten, und zwar 123.746,66 Euro für den Neubau einer Vereinswerkstatt mit Sozialgebäude. Das ist fast das Neunfache der beiden anderen Zuschüsse zusammen (123.746,66 : 13.818,89 ≈ 9) und entspricht knapp 62 Prozent des gesamten Budgets. Der Verein hat 128 Mitglieder, je Mitglied sind das rund 967 Euro (123.746,66 : 128). Beim SV Dautzsch mit 392 Mitgliedern sind es knapp 22 Euro (8.546 : 392).

Die Begründung: Die Motoballarena, die der Verein 2022 und 2023 selbst errichtet hat, besitzt bislang keine Gebäude. Für den Spielbetrieb mussten Umkleide-, WC- und Duschcontainer gemietet werden, und die Technik lagert in Garagen in Halle-Neustadt und wird zu jedem Training per Transporter angefahren. Mit dem Neubau erfülle die Anlage künftig auch die Anforderungen für Endspiele um die Deutsche Meisterschaft. Das ist die Sicht der Verwaltung.

Der Neubau soll 813.493,32 Euro kosten. Die Stadt trägt davon rund 15 Prozent, den Rest bringen Investitionsbank, Lotto und Eigenmittel des Vereins auf. Neben den drei Maßnahmen führt die Vorlage noch 62.434,45 Euro als Reserve für Kostensteigerungen auf. Dagegen blieben bei den Sanierungen Vorhaben ohne Zuschuss, bei denen es um Bausubstanz geht. So wird der Riss- und Untergrundschaden an den Gebäuden der Giebichensteiner Schützengilde, der seit einem Gutachten von 2019 bekannt ist, vorerst nicht gefördert.

Kritik

Bei knappen Kassen gehört der größte Teil eines Fördertopfs nicht in einen Neubau für einen Verein mit 128 Mitgliedern. Während ein seit 2019 bekannter Sanierungsbedarf warten muss, soll ein Komfort- und Prestigeprojekt fast zwei Drittel des Investitionsbudgets erhalten. Gebäude für Meisterschaftsendspiele sind keine Grundversorgung des Sports in der Stadt. Die Stadt sollte Mittel zuerst für den Erhalt vorhandener Anlagen und für Vereine mit vielen Mitgliedern einsetzen und große Neubauten höchstens mit einem deutlich kleineren Anteil begleiten.

VIII/2026/02411: Förderung von Sportvereinen für Sanierungs- und Investitionsmaßnahmen auf Sportanlagen 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 10. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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