Halle zahlt 121.200 Euro mehr für Weiterbildung
Halle plante für die Weiterbildung seiner Beschäftigten 0,88 Euro je Einwohner ein, obwohl schon 2025 rund 1,49 Euro angekündigt waren
Was ist passiert?
Verwaltungsnachwuchs und Fortbildungen für die Beschäftigten der Kommunen in Sachsen-Anhalt laufen über das Studieninstitut für kommunale Verwaltung, einen Verein mit Sitz in Magdeburg. Die Mitglieder tragen die Grundkosten über eine Umlage je Einwohner. Halle als kreisfreie Stadt zahlt den vollen Satz.
Für 2026 ging die Planung der Stadt offenbar noch von 0,88 Euro je Einwohner aus. Dabei hatte der Verein schon im April 2025 eine Spanne von 1,50 bis 1,55 Euro angekündigt, im Mai 2025 empfahl der Vorstand 1,49 Euro. Der Grund: Das Institut zog im August 2025 für rund fünf Jahre in das angemietete Gebäude „Welle“, was etwa 0,45 Euro je Einwohner kostet. Am bisherigen Standort in der Albrechtstraße lösten sich Fassadenteile, im Eingangsbereich gab es einen vierten Steinschlag. Die Sicherung wurde auf rund 1,3 Mio. Euro geschätzt, mindestens 800.000 Euro davon seien kurzfristig nötig.
Am 4. Dezember 2025 beschloss die Mitgliederversammlung schließlich 1,48 Euro. Das sind 0,60 Euro oder gut 68 Prozent mehr als die geplanten 0,88 Euro (0,60 : 0,88). Die Rechnung vom 16.03.2026 war sofort fällig. Der Ansatz für die Transferaufwendungen im Personalmanagement muss deshalb um 121.200 Euro von 217.200 auf 338.400 Euro steigen, ein Plus von knapp 56 Prozent (121.200 : 217.200).
Die Verwaltung verweist darauf, dass sie auf die Beschlüsse der Mitgliederversammlung keinen Einfluss habe und es keine günstigere Alternative gebe. Gedeckt wird der Mehrbedarf aus Einsparungen im eigenen Fachbereich, vor allem weil die Unfallkasse den Beitragssatz für Beschäftigte gesenkt hat. Weil die Rechnung das Budget bereits belastet hat, drohten ohne Genehmigung ausfallende Qualifizierungen und Deeskalationstrainings. Der Finanzausschuss soll am 20.05.2026 entscheiden.
Kritik
Die höhere Umlage war lange vor dem Haushaltsjahr absehbar, die Zahlen lagen der Stadt seit April und Mai 2025 vor. Sie hätte im Plan 2026 mit rund 1,49 Euro angesetzt werden müssen, statt den Fehlbetrag nachträglich per überplanmäßiger Ausgabe zu heilen. Dass das Geld nun aus anderen Personalmitteln umgeschichtet wird, verschleiert die tatsächliche Kostensteigerung. Als zahlendes Mitglied sollte Halle zudem darauf dringen, dass die Sicherungskosten für den Altstandort und die Mietbelastung des Vereins transparent begrenzt werden.
VIII/2026/02622: Genehmigung von überplanmäßigen Aufwendungen im Ergebnishaushalt und überplanmäßigen Auszahlungen im Finanzhaushalt für das Haushaltsjahr 2026 im Fachbereich Personal: Umlage Studieninstitut für kommunale Verwaltung - Personalservice, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 20. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.