Staatsbilanz

Stadt/Halle (Saale)/Kostensteigerung

Halles Grundschule wird 5,3 Millionen teurer

Die Grundschule Otfried Preußler in Halle kostet 14 Millionen Euro statt 8,7 Millionen, der Umbau begann fünf Jahre später als geplant

Was ist passiert?

Die Grundschule Otfried Preußler gehört zu den Schulen, die die Stadt Halle in ihrem Schulbauprogramm saniert. Das Gebäude sollte energetisch und allgemein instandgesetzt werden, dazu waren Brandschutzmaßnahmen, ein barrierefreier Zugang und neue Außenanlagen vorgesehen. Der Stadtrat fasste dazu am 30. Oktober 2018 den Baubeschluss. Veranschlagt waren 8,7 Mio. Euro, gebaut werden sollte vom zweiten Quartal 2019 bis zum dritten Quartal 2021.

Wer daraufhin im Frühjahr 2019 Bagger erwartet hätte, wurde enttäuscht. Tatsächlich begannen die Arbeiten erst im dritten Quartal 2024, gut fünf Jahre nach dem geplanten Start. Die Schülerinnen und Schüler hatten das Haus da bereits verlassen: Seit dem dritten Quartal 2024 sind 27 Klassen im Ausweichquartier in der Rigaer Straße untergebracht, das auch ein Modulgebäude umfasst. Die Bauzeit selbst, von Sommer 2024 bis Sommer 2026, fiel mit zwei Jahren sogar etwas kürzer aus als die ursprünglich vorgesehenen gut zwei Jahre und drei Monate. Die verlorene Zeit lag also vor dem ersten Spatenstich.

Am 21. August 2026 wurde die Schule feierlich übergeben. Nach dem aktuellen Bericht der Stadtverwaltung hat sie rund 14,0 Mio. Euro gekostet. Das sind 5,3 Mio. Euro mehr als beschlossen (14,0 minus 8,7), also rund 61 Prozent Aufschlag (5,3 geteilt durch 8,7). Der Bericht vermerkt, dass die Schule komplett neu ausgestattet wurde. Ob die Ausstattung schon in den 8,7 Mio. Euro steckte, geht daraus nicht hervor. Eine Erklärung für die Verschiebung um fünf Jahre oder für die Mehrkosten liefert die Verwaltung ebenfalls nicht. Sie zeigt den Stand schlicht als abgeschlossen an.

Kritik

Ein Baubeschluss, der erst nach mehr als fünf Jahren umgesetzt wird, ist kein verlässlicher Beschluss, sondern eine Absichtserklärung mit Preisschild. Jedes Jahr Stillstand kostet bei einem Gebäude im schlechten Zustand Geld und verlängert die Zeit, in der Kinder in Ausweichquartieren lernen müssen. Wenn aus 8,7 Mio. Euro am Ende 14,0 Mio. Euro werden, hat der ursprüngliche Beschluss den Stadträten ein falsches Bild vom Preis vermittelt. Die Stadt hätte das Projekt entweder zügig bauen oder den Beschluss mit neuem, ehrlichem Kostenrahmen erneuern müssen, statt es jahrelang liegen zu lassen.

VIII/2026/03010: Bericht Projektstand Schulbauprogramm, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 1. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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