Hallesche Förderschule wird 10,6 Millionen teurer
Halle baut die Förderschule neu: 26,5 statt 15,9 Millionen Euro, und eine sanierte Grundschule wird fünf Jahre später fertig als geplant
Was ist passiert?
Halle (Saale) saniert und baut derzeit an vielen Schulen gleichzeitig, vom Grundschulneubau bis zur Komplettsanierung. Im Bericht an den Bildungsausschuss von Ende Mai 2026 fallen drei Vorhaben auf, bei denen Beschluss und Wirklichkeit weit auseinanderliegen.
Da ist zunächst die Förderschule „Astrid Lindgren“ an der Ludwig-Bethcke-Straße. Das Bestandsgebäude soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Variantenbeschluss vom September 2022 nannte dafür 15,9 Mio. Euro und eine Bauzeit vom vierten Quartal 2024 bis zum dritten Quartal 2026. Nach dem Stand von Ende Mai 2026 liegen Haushaltsansatz und Kostenprognose bei 26,497 Mio. Euro. Das sind 10,6 Mio. Euro mehr (26,497 minus 15,9) oder rund 67 Prozent. Gebaut werden soll nun vom zweiten Quartal 2026 bis zum zweiten Quartal 2029, genutzt wird die Schule erst im Schuljahr 2029/30. Der Baubeschluss steht im Juni 2026 noch im Gremienlauf, die Summe gilt vorbehaltlich der Genehmigung des Investitionshaushalts.
Bei der Grundschule Otfried Preußler beschloss man im Oktober 2018 Sanierung, Brandschutz und Außenanlagen für 8,7 Mio. Euro. Die Bauzeit war von 2019 bis zum dritten Quartal 2021 vorgesehen. Tatsächlich begannen die Arbeiten im dritten Quartal 2024 und sollen im dritten Quartal 2026 enden. Die Kostenprognose beträgt 13,97 Mio. Euro, das sind 5,27 Mio. Euro oder gut 60 Prozent mehr. Seit dem dritten Quartal 2024 sind 27 Klassen in einem Ausweichstandort in der Rigaer Straße untergebracht. Einziehen sollen sie zum Schuljahr 2026/27, fünf Jahre nach dem ursprünglich geplanten Bauende.
Schließlich der Fachraumkomplex der Gesamtschule „Ulrich von Hutten“: Im Juni 2024 beschloss man die Variante mit Kosten von 14,5 Mio. Euro. Nach Prüfung reichen die Kapazitäten nun aus, ein Erweiterungsbau ist nicht nötig, und im Haushalt gibt es keinen Ansatz mehr dafür.
Kritik
Eine Kostenangabe, die sich zwischen Variantenbeschluss und Bau um zwei Drittel verschiebt, taugt nicht als Grundlage für eine politische Entscheidung. Wer 2018 eine Schule für 8,7 Mio. Euro und drei Jahre Bauzeit beschließt und sie erst nach acht Jahren für fast 14 Mio. Euro bekommt, hat Kindern und Lehrkräften jahrelang den Ausweichstandort zugemutet. Dass ein 14,5 Mio. Euro teurer Erweiterungsbau erst nach Beschluss als unnötig erkannt wird, zeigt, dass der Bedarf vor der Entscheidung belastbar geprüft werden muss. Kostenrahmen sollten von Anfang an mit realistischer Preisentwicklung und Puffer angesetzt werden, damit Beschlüsse mehr sind als bloße Absichtserklärungen.
VIII/2026/02631: Bericht Projektstand Schulbauprogramm, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 2. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.