Tierheim Halle: 625.000 statt 258.000 Euro
Halle zahlte dem Tierheim 2025 rund 625.000 statt geplanter 258.400 Euro, doch nur 7.480 Euro zahlten die Tierhalter zurück
Was ist passiert?
Wer in Halle ein Tier findet, das niemand vermisst, oder ein Tier, dem der Halter nicht mehr gerecht wird, landet am Ende im Tierheim. Das Haus gehört der Stadt, betrieben wird es von der Zoologischer Garten Halle GmbH. Die Stadt gibt dafür jedes Jahr einen Betriebsmittelzuschuss, der im Wirtschaftsplan des Tierheims festgelegt wird. Für 2025 standen dort 258.400 Euro.
Tatsächlich überwies die Stadt im selben Jahr 625.079 Euro. Das ergab die Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Stadtrat. Neben dem planmäßigen Zuschuss flossen 182.563 Euro für den Fehlbetrag des Jahresabschlusses 2024 und weitere 184.116 Euro für den Fehlbetrag des Jahresabschlusses 2025. Zusammen sind das knapp 366.700 Euro über Plan (625.079 minus 258.400). Allein der Fehlbetrag 2025 entsprach gut 71 Prozent des ganzen geplanten Zuschusses (184.116 geteilt durch 258.400). Warum der Wirtschaftsplan so weit neben dem tatsächlichen Bedarf lag, erklärte die Verwaltung nicht.
Von den Verursachern kam kaum etwas zurück. Die Erträge aus Tierrückgaben beliefen sich auf 7.480 Euro, also rund 1,2 Prozent der Zahlungen der Stadt. Davon waren 5.289,99 Euro Betreuungskosten für Tiere, die ihren Besitzern zurückgegeben wurden. Der Rest waren Gebühren für die Wiederaufnahme bereits vermittelter Tiere. Der Grund für die magere Bilanz: Sehr häufig erklären Besitzer bei einer amtlich angeordneten Verwahrung, dass sie auf ihr Eigentum verzichten. Dann können keine Betreuungskosten abgerechnet werden. Wer sein Tier aufgibt, ist die Rechnung los.
Die Lage dürfte sich nicht von selbst entspannen. Die Beschwerden wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz stiegen von 386 im Jahr 2023 auf 550 im Jahr 2025, ein Plus von gut 42 Prozent (164 geteilt durch 386). Die Vor-Ort-Kontrollen sanken im gleichen Zeitraum von 438 auf 346. Im Team Tierseuchen und Tierschutz sind 5,307 Vollzeitstellen besetzt, eine halbe ist offen. Immerhin räumt die Verwaltung ein, dass perspektivisch über den Personalschlüssel entschieden werden muss.
Kritik
Ein Zuschuss, der am Ende fast zweieinhalbmal so hoch ausfällt wie geplant, war nie ein ernst gemeinter Plan. Die Stadt hätte den Wirtschaftsplan an den tatsächlichen Kosten der Vorjahre ausrichten müssen, statt Fehlbeträge hinterher auszugleichen. Dass nur etwa 1,2 Prozent der Zahlungen von den Tierhaltern zurückkommen, zeigt zudem, dass die Kosten bei der Allgemeinheit hängen bleiben. Hier sollte die Stadt Verzichtserklärungen und Kostenforderungen konsequenter aufeinander abstimmen, damit Verursacher stärker zahlen und die Steuerzahler weniger.
VIII/2026/02780: Anfrage Fraktion Die Linke im Stadtrat Halle (Saale) zum Tierschutz und seiner Umsetzung in der Stadt Halle (Saale), Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 24. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.