Zoo Halle wartet auf 2,45 Millionen Euro
Die Stadt Halle zahlte dem Bergzoo 2,45 Millionen Euro für den neuen Eingang nicht aus, im Zoo blieben nur 37.000 Euro in der Kasse
Was ist passiert?
Der Bergzoo wird von der Zoologischer Garten Halle GmbH betrieben, die allein der Stadt gehört. Nach eigener Darstellung hängt der Fortbestand der Gesellschaft von den Zuschüssen der Stadt ab. Mit dem „Zukunftskonzept Bergzoo 2031“ soll der Zoo erneuert werden, als Erstes der Eingang an der Saale.
Auf dem Papier war 2025 ein gutes Jahr: Die GmbH schloss mit einem Überschuss von 403.495 Euro ab, geplant waren 309.000 Euro. Wer nachschaut, woher das Geld kam, wird nüchterner. Erbschaften (488.000 Euro), Spenden (251.000 Euro), ein um 100.000 Euro erhöhter Stadtzuschuss und die letztmalige Auflösung eines Sonderpostens (648.000 Euro) ergeben zusammen 1.487.000 Euro. Ohne diese Posten stünde rechnerisch ein Minus von rund 1,08 Mio. Euro (403.000 minus 1.487.000 Euro).
Das Kerngeschäft lief schlechter. Statt der geplanten 370.000 kamen 292.700 Besucher, also 77.300 oder gut 21 Prozent weniger. Gegenüber 2024 fehlten 42.550 Gäste. Die Tageskarten brachten 1,36 Mio. Euro statt 1,64 Mio. Euro, die Lichterwelten 1,45 Mio. Euro statt 1,84 Mio. Euro. Die neue Halloween-Veranstaltung (324.000 Euro) fing das nur teilweise auf.
Dazu kommt der Eingang. Der Zoo ging mit Planungen für den Umbau des Saaleeingangs in Vorleistung, 2025 flossen 738.000 Euro dorthin. Bis zum Jahresende hatte er 2.450.000 Euro an Mittelabrufen bei der Stadt eingereicht, ausgezahlt war davon nichts. Die liquiden Mittel sanken von 421.000 auf 37.000 Euro, zusätzlich zog die GmbH 398.000 Euro ihres neuen Kontokredits (Rahmen bis 1 Mio. Euro). Die offene Forderung ist rund 66 Mal so hoch wie das Guthaben (2.450.000 geteilt durch 37.000 Euro).
Die Geschäftsführung warnt im Lagebericht selbst vor Liquiditätsengpässen. Der Aufsichtsrat beriet über Rabatte und das Verschieben von Instandhaltung und Investitionen. Beanstandungen gab es dennoch keine, der Abschluss ist uneingeschränkt testiert, und Geschäftsführer wie Aufsichtsrat sollen entlastet werden.
Kritik
Ein Zoo, der seit Jahren Planzahlen von 370.000 Besuchern verfehlt, darf Großprojekte nicht auf eine Rechnung stützen, die erst bei 21 Prozent mehr Gästen aufgeht. Bleibt der Überschuss nur dank Erbschaften und Sondereffekten positiv, ist das kein Geschäftserfolg, sondern Glück. Wenn die Stadt als einzige Gesellschafterin den Umbau will, muss sie die Zuschüsse auszahlen oder die Fördervereinbarung vor Baubeginn abschließen, statt die GmbH mit einem Kontokredit in Vorleistung gehen zu lassen. Die Planung muss mit realistischen Besucherzahlen arbeiten, sonst zahlen am Ende Zinsen und Zuschüsse die Bürger.
VIII/2026/02862: Jahresabschluss 2025 der Zoologischer Garten Halle GmbH, Ratsinformationssystem der Stadt Halle (Saale), 18. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.