Halbe Million für eine Veranstaltung
Hannover gab 500.000 Euro aus der Hotelsteuer für eine einzige Veranstaltung, mehr als das Doppelte der bisherigen Höchstgrenze von 250.000 Euro
Was ist passiert?
Hannover erhebt eine Beherbergungssteuer. Einen Teil davon setzt die Stadt ein, um Messen, Kongresse und andere Großveranstaltungen in die Stadt zu holen. Der Rat beschloss dafür 1,25 Mio. Euro für 2024 und 0,75 Mio. Euro für 2025. Vergeben werden die Zuschüsse nach einer Förderrichtlinie durch eine Kommission der Verwaltung. Laut Richtlinie sollen Geld nur Veranstalter bekommen, die einen Antrag mit Kostenplan, Besucherzahlen und Wertschöpfungsnachweis stellen. Bis Frühjahr 2026 lag die Obergrenze je Veranstaltung bei 250.000 Euro.
In der Ratsvorlage zur Überarbeitung dieser Richtlinie steht dann ein Satz, der nicht recht zu diesem Verfahren passt: 500.000 Euro aus dem Akquise-Budget seien „für die ‚German Finals‘“ verwendet worden. Wer das Geld erhielt, wo und wann die Veranstaltung stattfand und was die Stadt dafür bekam, steht nirgends. Auch in der beigefügten Liste der geförderten Veranstaltungen fehlt der Posten. Dort stehen 16 Vorhaben mit zusammen 1.171.149,70 Euro, im Schnitt knapp 73.200 Euro. Die halbe Million entspricht also fast dem Siebenfachen dieses Durchschnitts. Gemessen an der Jahrestagung der Neurochirurgen im Congress Centrum mit 15.000 Euro ist es das 33-Fache.
Die Verwaltung zieht ein „sehr positives Fazit“. Die Wertschöpfung sei „definitiv gegeben“, die Rückflüsse überstiegen das Fördervolumen „in der Regel deutlich“. Belege für einzelne Fälle liefert sie nicht.
Für die Zukunft zieht die Stadt enge Grenzen: Künftig soll es höchstens 150.000 Euro je Veranstaltung geben, und höchstens 30 Prozent der Kosten dürfen gefördert werden. Der Rat stimmte dem am 28. Mai 2026 einstimmig zu. Die 500.000 Euro für die „German Finals“ liegen mehr als das Dreifache über dieser neuen Grenze (500.000 : 150.000 = 3,3) und doppelt so hoch wie die alte.
Kritik
Wer Fördergeld nach strengen Kriterien an Dutzende Antragsteller verteilt, darf nicht nebenbei eine halbe Million für eine einzelne Veranstaltung ausgeben. Der Betrag ist doppelt so hoch wie die bisherige Obergrenze und fast siebenmal so hoch wie der Durchschnitt aller übrigen Förderungen. Wenn eine Summe dieser Größe nötig erscheint, gehört sie nach denselben Regeln geprüft und mit Empfänger, Zweck und erwartetem Nutzen offen im Rat beschlossen. Dass die Stadt die Grenze danach auf 150.000 Euro senkt, zeigt, wie hoch das Maß selbst bei ihr inzwischen als übertrieben gilt.
0571/2026: Aktualisierung der Richtlinie für die Vergabe von Zuwendungen aus dem Akquise-Budget der Landeshauptstadt Hannover, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 6. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.