Staatsbilanz

Stadt/Hannover/Fehlender Bedarf

872.000 Euro für ein Klavier am Opernplatz

Hannover zahlt bis 2030 rund 872.000 Euro für eine Stelle, die ein Klavier mit Fernsteuerung und zwei Werbesäulen mit Bildschirm betreut

Was ist passiert?

Am Opernplatz in der Innenstadt hat die Stadt mit Mitteln aus einem Bundesprogramm für „Smart Cities“ digitale Technik für Kunst und Kultur im Freien installiert. Das Projekt hieß „Sounds & Screens“. Seit Dezember 2025 steht dort ein aus der Ferne steuerbares Allwetter-Piano. Im Laufe des Jahres 2026 sollen zwei Kulturlitfaßsäulen mit Displays und Lautsprechern sowie weitere Lautsprecher am Eingang der Staatsoper folgen.

Nun endet die Bundesförderung zum 31.12.2026, und eine Neuauflage des Programms gibt es nicht. Die Stadt will die Stelle, die das Projekt betreut, trotzdem behalten. Unter dem neuen Titel „Smarte Kulturräume“ plant sie für die Jahre 2027 bis 2030 insgesamt 431.577 Euro für Personal, 160.000 Euro für Sachaufwand und 280.000 Euro für Investitionen ein. Zusammen sind das 871.577 Euro. Das entspricht rund 218.000 Euro im Jahr (871.577 Euro geteilt durch vier) oder knapp 600 Euro pro Tag (871.577 Euro geteilt durch 1.460 Tage). Allein die Personalstelle kostet etwa 107.900 Euro jährlich.

Als nächster Baustein ist eine „interaktive, gestalterisch markante Installation“ am Hauptbahnhof vorgesehen. Sie soll unter anderem auf Schutzangebote bei Kälte oder Hitze hinweisen.

Die Begründung der Verwaltung: Die Stelle sichere die „Werterhaltung der getätigten Investitionen“ und schaffe „Digitalisierungsrendite“, weil sich die Infrastruktur mehrfach nutzen lasse. Wie viele Menschen das Piano und die Säulen nutzen oder was eine solche Rendite in Euro wert sein soll, steht in der Vorlage nicht. Der Kulturausschuss, der Stadtbezirksrat Mitte und der Verwaltungsausschuss stimmten dennoch jeweils einstimmig zu, der Verwaltungsausschuss am 10.09.2026.

Kritik

Wenn ein befristetes Förderprojekt ausläuft, sollte die Stadt zuerst prüfen, ob es sich auch ohne Zuschuss lohnt. Hier wird stattdessen fast eine Million Euro für vier Jahre festgeschrieben, damit ein Piano, zwei Litfaßsäulen und eine weitere Installation betreut werden. Der Nutzen wird mit Schlagworten wie „Digitalisierungsrendite“ und „urbane Resilienz“ beschrieben, nicht mit Besuchern, Einsparungen oder anderen messbaren Wirkungen. Sinnvoll wäre gewesen, die Weiterführung an belegte Nutzungszahlen zu knüpfen und die Stelle zunächst abgespeckt oder befristet zu verlängern.

1688/2026: Verstetigung Smart City #HANnovativ: Personal- und Projektmittelaufwand für „Smarte Kulturräume“ im Kulturmanagement, Ratsinformationssystem der Stadt Hannover, 28. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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